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    Glaube und Unsterblichkeit der Seele : Erschließung im Heute: Nicht zu viel wissen wollen : Woher kommt der Beißreflex?: Eine echte Frühlingsbotschaft!: Kopftuch ist nicht Kippa: Empfehle den Hardlinern Demut: Mir gefällt dieser Begriff nicht

    Glaube und Unsterblichkeit der Seele In seiner Stellungnahme zu meinem Osterbeitrag „Freude im Angesicht des Todes“ (DT vom 29.3.) erinnert Prof. Sperling dankenswerterweise an lehramtliche Äußerungen zur Unsterblichkeit der Seele.

    Glaube und Unsterblichkeit der Seele

    In seiner Stellungnahme zu meinem Osterbeitrag „Freude im Angesicht des Todes“ (DT vom 29.3.) erinnert Prof. Sperling dankenswerterweise an lehramtliche Äußerungen zur Unsterblichkeit der Seele. Auf diese Weise möchte er mich vor der „Häresie der Ganztod-Lehre“ bewahren. Oder vermutet er mich bereits im Gegensatz zum Glauben der katholischen Kirche? Als Priester stand ich an vielen Gräbern, um die Osterbotschaft zu verkünden. Als Psychoanalytiker und Hochschullehrer setze ich mich seit vielen Jahren mit dem von C.G. Jung diagnostizierten Seelenverlust unserer Zeit auseinander. In meiner Lehr- und Forschungsarbeit zu Spiritual Care geht es zentral um die Gefährdung und Bewahrung der Seele des Menschen in der hoch technisierten und ökonomisierten Medizin. Es genügt meines Erachtens nicht, dogmatische Definitionen der Tradition zu wiederholen. Wir müssen diese vielmehr in ihrem historischen und kulturellen Kontext verstehen, um den Glaubensschatz der Kirche für heutige Menschen zu erschließen. Warum griff die christliche Frömmigkeit und Theologie die altehrwürdige, vor allem von Platon formulierte Lehre von der Unsterblichkeit der Seele auf? Sie wollte damit in der Sprache griechischer Philosophie über den Tod des Menschen und die Auferstehungshoffnung sprechen. Die dualistische Vorstellung der „Trennung von Leib und Seele“ fand dennoch keinen Platz im Glaubensbekenntnis. Auch Christen können nicht „halbtot“ ihre Seele festhalten, der Glaube der katholischen Kirche bleibt hebräisch, nicht-dualistisch ausgerichtet. Auch der hl. Thomas von Aquin denkt nicht dualistisch-platonisch, sondern ganzheitlich-aristotelisch: Die Seele ist streng dem Leib zugeordnet, so dass sie ohne ihn ,wie eine vom Körper losgeschlagene Hand wäre' (STh I q. 75 a. 2). Der Tod zerstört die Substanz des Menschen (corruptio substantialis). Ein Weiterleben wird nicht aus der Geistnatur der Seele gefolgert. Der katholische Dogmatiker Peter Neuner schreibt dazu: „Das Leben über den Tod hinaus gründet nicht in der Unsterblichkeit der Seele, sondern ist göttliches Geschenk“ (HWB Theol Anthropol: 95). Wer im Zeitalter des Seelenverlustes von der „Seele“ reden, die traditionelle Aussage von der Unsterblichkeit der Seele nicht nur wiederholen, sondern auch verständlich machen will, kann meines Erachtens nicht mehr dualistisch einer aus sich selbst heraus unsterblichen Seele das Wort reden. Wenn man schon lehramtliche Äußerungen zitiert, dann auch die Verurteilung des folgenden Satzes: ,Die Unsterblichkeit des ersten Menschen war kein Geschenk der Gnade, sondern seine natürliche Daseinsbedingung' (DH 1978).

    Der hl. Thomas von Aquin schreibt dem Auferstehungsleib „seelische“ Eigenschaften zu: Klarheit, Leichtigkeit, Feinheit, Leidensfreiheit. Friedrich Spee hat diese Attribute in die fragende Form seines Osterliedes „Ist das der Leib, Herr Jesu Christ“ gegossen: „Der Leib ist klar / klar wie Christall / die Adern roth / roth wie Corall / die Seel hiedurch glantzt hüpsch und fein / wie tausentmal der Sonnenschein / Alleluja / Alleluja“.

    Prof. Dr.med. Eckhard Frick SJ, Professur für Anthropologische Psychologie, Hochschule für Philosophie,

    80539 München

    Zum ewigen Heil des Judas

    Nach Heinz-Lothar Barth wissen wir, dass Judas verdammt ist, denn:

    „Unverzeihlich aber war, dass der Verräter den Glauben an Gottes Güte und Barmherzigkeit aufgegeben und sich selbst getötet hatte“ (Leserbrief vom 19. April 2018). Zwei Argumente also: Aufgabe des

    Glaubens an die Barmherzigkeit Gottes und Selbsttötung. Beginnen wir mit

    letzterem: Woher weiß Barth, dass Judas diese mit vollem Wissen und Bewusstsein vorgenommen hat? Und selbst wenn dem so gewesen ist, woher weiß Barth, ob Judas bei der Tat selbst nicht doch noch bereut hat? Bekannt ist aus dem Leben des hl. Pfarrers von Ars ein Gespräch mit einer

    einer Frau, die voller Sorge um das Schicksal ihres Mannes war, der sich

    selbst durch den Sprung von einer Brücke getötet hatte. Durch innere Eingebung erleuchtet, antwortete der Pfarrer: „Noch im Herunterfallen hat er bereut.“ Nun zu Judas: es gibt kein einziges Wort Christi über

    das ewige Schicksal des Judas. Alle warnenden Worte an oder über ihn sind vor dem Verrat gesprochen (auch Joh 17,12). Kein einziges nach dem Tod des Judas! Und: hätte der Herr nach seiner Auferstehung etwas über die Verdammnis des Judas gesagt, warum wissen die Apostel nichts davon, als sie zur Wahl eines Nachfolgers des Judas schreiten (vgl. Apg

    1,16ff.). Wir tun gut daran, uns an die Worte Papst Benedikt XVI. zu halten, die er in der Generalaudienz vom 18. Oktober 2006 über Judas sagte: „Noch mehr verdichtet sich das Geheimnis seines ewigen Schicksals durch das Wissen, dass Judas seine Tat reute. ,Er brachte den Hohenpriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück und sagte: Ich habe gesündigt, ich habe euch einen unschuldigen Menschen ausgeliefert' (Mt 27,3–4). Obwohl er dann wegging, um sich zu erhängen

    (vgl. Mt 27,5), steht es uns nicht zu, seine Tat ermessen zu wollen und uns damit an die Stelle des unendlich barmherzigen und gerechten Gottes zu setzen.“

    P. Dr. Martin Lugmayr FSSP,

    A-4030 Linz

    Umgang mit der AfD

    Zu „Spiel mit der Empörung" (DT 19.4.): Woher kommt der Beißreflex bei allem, was den Stempel „AfD“ trägt? Auch dann, wenn es nichts zu beißen gibt. Die Reaktionen reichen von „menschenverachtend“ und „unerträglich“ bis zur Strafanzeige wegen Volksverhetzung. Die Vermeidung von Behinderungen steht in keinem Gegensatz zur Achtung und Unterstützung von Behinderten. Die Gurtpflicht im Auto steht nicht im Widerspruch zum Respekt vor Querschnittgelähmten. Und die Warnung vor Alkohol und Nikotin in der Schwangerschaft nimmt nichts von der Würde der Kinder, die dadurch behindert zur Welt kommen. Der statistische Zusammenhang zwischen Inzest und bestimmten Behinderungen lässt sich nicht leugnen. (Nahe Verwandtschaft ist übrigens bei uns Katholiken ein Ehehindernis.) Ebenso wenig lässt sich leugnen, dass die Zahl genetisch bedingter Krankheiten massiv erhöht ist in all den Ländern zwischen Marokko und Pakistan, in denen Verwandtenehen üblich sind. Und dieses Problem setzt sich in den Immigrationsländern fort. Schließlich sei bemerkt, dass Abtreibung bis zur Geburt aufgrund von eugenischer Indikation von Abgeordneten der etablierten Parteien durchgesetzt wurde und nicht von der AfD.

    Dr. Norbert Langenfeld,

    51061 Köln

    Christus und Dostojewski

    Zu „Ein Visionär mit Christus“ (DT 19.4.): Ein besonderer und herzlicher Dank an die Autorin Frau Barbara Wenz. Es fehlen uns ganz einfach die Worte, wie hier das Lebensbild und die Botschaft des Christseins dargestellt wurde in der Person Dostojewskis. Hervorragend und eine echte Frühlingsbotschaft! Durch diese Zeilen weht die befreiende und die tröstende Botschaft des Evangeliums. Diesen Artikel kann man sich nur hinter den Spiegel stecken – alle Zeit.

    Klaus Korth,

    09599 Freiberg

    Debatte ums Kopftuch

    Der Artikel „Nein zum Kopftuch, ja zur Kippa?” (DT 12.4.) hinterlässt den Eindruck, es gehe bei einem Kopftuchverbot in Österreich vor allem um ein Verbot irgendeines beliebigen religiösen Symbols. Interessant sind die Gesprächspartner in

    besagtem Artikel. Vor allem die Muslime lenken von der eigentlichen Problematik ab, wenn sie auf andere religiöse Symbole wie Kreuz und Kippa verweisen. Auch dass es sich beim Kopftuch um ein „innerislamisches Problem“ handle, entspricht der bekannten Taqiya, der Täuschung des

    Gesprächspartners. Was die aus dem katholischen Milieu zitierten Personen angeht, ist die Einseitigkeit ebenfalls nur zu auffallend. Wie viele andere ehemalige Musliminnen empfand etwa Sabatina James das Kopftuch als das äußere Symbol für ein Gefängnis. Weil Sabatina James

    sich weigerte, das Kopftuch zu tragen, wurde sie von ihrer Mutter oft brutal verprügelt. Dieses vorher erwähnte Gefängnis bedeutet für die Frauen Minderwertigkeit vor Gott, Erniedrigung, sexuelle Ausbeutung bis hin zu brutalem Missbrauch, Zwangsverheiratung und anderes mehr. Weil das Äußere der Frau die geschlechtliche Lust des Mannes auslöst, muss sie

    dieses weibliche Äußere so weit als möglich verbergen.

    Hinter dem Kopftuch verbirgt sich eine Haltung des Islam, die eine Integration in unsere Gesellschaft massiv be- wenn nicht überhaupt verhindert. Insofern greift die österreichische Bundesregierung mutig

    ein wichtiges heißes Eisen auf. Der Vergleich des Kopftuches mit dem Schleier von Klosterschwestern durch Rudolf Luftensteiner vom Bildungsreferat der Ordensgemeinschaften (zitiert bei Kathpress)

    bedeutet eine grobe Unkenntnis der Fakten und ist an Blauäugigkeit kaum zu überbieten. Ich verweise auf die 300 christlichen Mädchen (Cibok Mädchen - es gelten immer noch über 100 als vermisst), die in Nigeria vor ziemlich genau vier Jahren entführt wurden. Als Beweis für ihre Konversion waren sie mit Kopftüchern „verkleidet“. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wurden einige von ihnen als Sexsklavinnen verkauft. Ein Bild von ihnen wäre der Problematik Kopftuch weit mehr gerecht geworden. Das Foto, auf dem Bischof Klaus Küng kopftuchtragenden Mädchen die Hand schüttelt, hinterlässt in diesem Zusammenhang einen sehr faden

    Nachgeschmack. Alle Frauen, die aus dem muslimischen Milieu kommen und die es hinter sich gelassen haben, sagten mir persönlich immer das Gleiche: „Der Islam bedeutet eine massive Benachteiligung der Frau und das Kopftuch ist das äußere Symbol dafür.“ Und: „Nur wenige wollen in

    unserer westlichen ach so aufgeklärten Gesellschaft das Problem wirklich verstehen.“ Warum kommt im betreffenden Artikel keine einzige qualifizierte Gegenstimme zu Wort? Ausschließlich Vizekanzler Heinz-Christian Strache zu zitieren und diesen so, wie wenn sich das

    Problem auf Kinder im Kindergarten reduzieren ließe, ist sehr vielsagend.

    Es ist bedauerlich, wenn nach der Lektüre dieses Artikels der Anschein entsteht, es gehe mehr um politische Befindlichkeiten als um eine sachliche Auseinandersetzung.

    P. Bernhard Kaufmann,

    A-6850 Dornbirn

    Fünf Jahre Papst Franziskus

    Zu „Der Tempo-Papst“ (DT 8.3.): Endlich haben wir einen Papst, der sich nicht Buchstabe für Buchstabe an Gesetzestexte klammert, sondern die Nöte der Menschen erkennt. Das hat übrigens schon Jesus den gesetzestreuen Pharisäern und Schriftgelehrten vorgelebt. Franziskus kann sich also auf ihn berufen. Die Einzelfall-Lösung, wie sie vom Papst, der deutschen Bischofskonferenz und von Kardinal Kaspers propagiert wird, wird von einigen Bischöfen abgelehnt, unter ihnen der niederländische Kardinal W. J. van Eijk. Seine Begründung unter anderem: Die „Analogie zwischen der Beziehung von Mann und Frau und der zwischen der Kirche und Christus“. Die vollkommene Hingabe Christi an die Kirche verwirkliche sich in der Hingabe seines Lebens am Kreuz und werde im Sakrament der Eucharistie gegenwärtig gemacht. Und wer an der Eucharistie teilnehme, muss zur vollkommenen Hingabe seiner selbst bereit sein, weil er Anteil habe an der totalen Hingabe der Kirche an Christus. „Die vollkommene Hingabe in der ersten, noch als gültig zu betrachtenden Ehe zu verletzen und der fehlende Wille, an dieser totalen Hingabe festzuhalten, macht die betreffende Person unwürdig, an der Eucharistie teilzunehmen, die die vollkommende Hingabe Christi an die Kirche gegenwärtig macht“: Welche betroffene Person soll mit einer solchen Aussage etwas anfangen können? Merken unsere „Hirten“ eigentlich nicht, wie sehr sie sich mit solchen Worten immer mehr von ihren „Schäfchen“ entfernen, wie theoretisch das alles klingt, wie sie das „normale“ Leben gar nicht mehr wahrnehmen? Wenn dann noch als einzige Lösung für Wiederverheiratete nur die „Josefs-Ehe“ in Frage kommt, also die sexuelle Enthaltsamkeit, dann ist das ein Armutszeugnis für die Kirche. Was ist mit den vielen Priestern, die in einer Beziehung leben, Kinder zeugen? Sie stehen Tag für Tag am Alter, feiern Eucharistie. Wo bleibt da der Aufschrei dieser Bischöfe? Da stimmt nämlich offensichtlich nicht, was van Eijk behauptet: „Was an einem Ort A wahr ist, kann nicht an einem Ort B falsch sein". Ich bin überzeugt, dass dieser Papst ein Segen für die Kirche ist, weil er Verkrustungen aufbricht und nach menschlichen (christlichen) Lösungen sucht, und hoffe, dass er lange genug an der Spitze der katholische Kirche stehen kann, um dringend notwendige Veränderungen durchzusetzen. Allen „Hardlinern“ aber empfehle ich etwas mehr Demut.

    Heinz Wiedel, 52428 Jülich

    Glaube und Schöpfung

    Zum Thema „Glaube und Schöpfung“, insbesondere zu dem Leserbrief von Dr. med. Martin Feichtinger „Hat der Schöpfer den Tod geplant?“: Mir ist nicht ganz wohl bei dem Begriff „theistische Evolution“. Soll damit das evolutionistische Erklärungsmodell grundsätzlich anerkannt werden und eine Gotteslehre entwickelt werden, die damit kompatibel ist? Ich denke, das muss scheitern. Zur Begründung halte ich mich im Wesentlichen an das bei Klett-Cotta erschienene, hervorragende Buch von Robert Spaemann und Reinhard Löw mit dem Titel „Natürliche Ziele“. Die Autoren schreiben: „Die Evolutionstheorie ist in eminentem Maße Bedingungsforschung.“ … „Bei allen Evolutionserkenntnissen wird es sich nie um mehr als um hypothetische Bedingungen dessen handeln, was am Ende als Resultat erscheint – Bedingungen, die das Bedingte nicht hervorbringen wie die Ursachen Wirkungen.“ Wer daraus einen Ursache-Wirkungszusammenhang macht (sog. Evolutionismus), begibt sich – wie in dem Buch ausführlich gezeigt wird – in eine zirkuläre Logik. Besonders trifft dies für die drei Übergänge Leben, Bewusstsein und Sittlichkeit zu. Wer zum Beispiel evolutionistisch erklären will, wie Leben entstanden ist, braucht eine naturwissenschaftliche Definition von Leben, die immer eine willkürliche Abstraktion darstellt und nie das erreicht, was wir mit Leben meinen.

    U. Steiner,

    81477 München