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    „Engstirniges nicht verewigen“: Ist die Kirche zu starr? – Anmerkungen zu Zölibat, Frauenfrage und zur Situation in Österreich: Bekenntnis statt Anpassung

    Zunächst behauptet Frau Dr. Winkler ohne jeden Nachweis in ihrem Leserbrief vom 2. April kurz und bündig, der Theologe Hans Küng versuche, „den Kern des Christentums ernst zu nehmen und nicht engstirnige Positionen zu verewigen“. Dieser Behauptung ist ebenso kurz und bündig entgegenzuhalten, dass Küng keineswegs den Kern des Christentums und schon gar nicht den des katholischen Glaubens vertritt. Aus diesem Grunde musste ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen werden.

    Zunächst behauptet Frau Dr. Winkler ohne jeden Nachweis in ihrem Leserbrief vom 2. April kurz und bündig, der Theologe Hans Küng versuche, „den Kern des Christentums ernst zu nehmen und nicht engstirnige Positionen zu verewigen“. Dieser Behauptung ist ebenso kurz und bündig entgegenzuhalten, dass Küng keineswegs den Kern des Christentums und schon gar nicht den des katholischen Glaubens vertritt. Aus diesem Grunde musste ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen werden.

    Weiter behauptet Frau Dr. Winkler, die Kirche halte „krampfhaft“ am Zölibat fest. Auf den Gedanken, dass die Kirche das nicht krampfhaft, sondern aus Überzeugung tun könnte, kommt sie nicht. Wegen des Festhaltens am Zölibat geht nach ihrer Auffassung die Kirche „herzlos und zynisch an der pastoralen Not der Zeit“ vorbei. Nach meiner Auffassung hat die pastorale Not der Zeit nichts mit dem Zölibat zu tun, sehr viel aber mit einem falschen Aggiornamento, einem Anpassen an herrschende Zeitströmungen, die die Religion letztlich überflüssig und die Menschen dadurch haltlos und unglücklich machen. Eine solche falsche Zeitströmung ist die heute propagierte Gender-Philosophie, eine zwanghafte Gleichmacherei von Mann und Frau. Diese Philosophie steht in völligem Gegensatz zur Natur des Menschen und auch zur Schöpfungsgeschichte: „Als Mann und Frau schuf er sie“ (Gen 1, 29), wobei hier das „und“ zu betonen ist. Frau Dr. Winkler fragt: „Was ist denn so schlimm an einem echten Aggiornamento?“ Antwort: Nichts – solange man damit nicht gezwungen wird, sich einer falsche Ideologie anzupassen.

    Frau Dr. Winkler fragt weiter: „Warum fürchtet man sich denn so schrecklich vor den Frauen?“ Die Kirche fürchtet sich nicht vor den Frauen. Ihr das zu unterstellen, ist abwegig. Gibt es eine Weltreligion, die die Frauen mehr achtet als die katholische Kirche? Das belegt schon die Wertschätzung und Verehrung der vielen heiligen Frauen und Bekennerinnen, einschließlich der Kirchenlehrerinnen, allen voran Maria, der Gottesgebärerin. Die Kirche achtet aber auch – entgegen der falschen Gender-Ideologie – die unterschiedliche Natur von Mann und Frau. Unter Berücksichtigung dieser Unterschiede hat die Kirche nicht nur die Freiheit, sondern auch das Recht, die Aufgaben in der Kirche unterschiedlich zu verteilen. Diese Haltung wird von den Gender-Ideologen heftig bestritten und aggressiv bekämpft. Aber schon Jesus Christus hat in seiner Kirche unterschiedliche Dienste für Mann und Frau vorgesehen. Danach muss es keine Priesterinnen geben.

    Weiter fragt Frau Dr. Winkler, ob es sinnvoll sei, „die Kirche zu einer Sekte schrumpfen zu lassen?“ Diese vorgebliche Sorge teilt sie mit dem Pastoraltheologen Paul Zulehner, der sich kürzlich in diesem Sinne geäußert hat und von „Schrumpfghettoisierung“ der Kirche spricht. Die Sorge, dass die katholische Universalkirche zu einer Sekte schrumpft, teile ich nicht. Man muss allerdings Sorge um die österreichische katholische Kirche haben.

    Da wird der vom Papst zum Bischof ernannte Pfarrer Georg Maria Wagner von der Österreichischen Kirche weggemobbt und zum „freiwilligen“ Rücktritt gezwungen. Der Papst wird desavouiert. Entgegen aller Lippenbekenntnisse zum Dialog glaubt man, sich mit den Thesen von Pfarrer Wagner gar nicht auseinandersetzen zu müssen – zum Beispiel mit seinem liebevollen offenen Brief an die Homosexuellen. Es genügt, Wagner als „ultrakonservativ“ oder als „rechtsextremistisch“ zu bezeichnen. Es genügt, zu behaupten, seine Thesen seien „unmöglich“. Sie sind nach Ansicht des Vereins „Wir sind Kirche“ unmöglich, weil sie einer Anpassung an die Zeit, einem als notwendig erachteten Aggiornamento, zum Beispiel hinsichtlich der Homosexualität, widersprechen. Ein Homosexualitäts-Aggiornamento ist aber genauso falsch wie das vorstehend dargelegte Gender-Aggiornamento.

    Die Verhinderung von Pfarrer Wagner als Bischof geht zurück auf eine Mehrheit von 31 von 35 Dechanten, auf die „Katholische Aktion“, den Verein „Wir sind Kirche“, die „Homosexuelle Initiative Linz“ und auf eine massiv manipulierte Öffentlichkeit. Vor dieser geballten Front von Protestlern, die schon mit einem „Volksbegehren“ gegen die geplante Bischofsweihe von Pfarrer Wagner gedroht hat, sind die österreichischen Bischöfe zurückgewichen. Sie haben Pfarrer Wagner wie eine heiße Kartoffel fallen lassen und ihn auch nicht vor Verleumdungen geschützt. Das nützt den Bischöfen aber nichts. Der Verein „Wir sind Kirche“ (schon dieser Name ist eine Anmaßung) wird durch dieses Zurückweichen nur noch frecher. Er schmäht die Bischöfe so: „Als Führer, Helfer, Berater im Glauben haben die Bischöfe längst ausgedient. Wie lange die Gläubigen sie als Leiter des Verwaltungsapparates noch zulassen, bleibt abzuwarten.“ Herabsetzender geht es nicht mehr!

    Als Mitglieder der katholischen Universalkirche müssten die Bischöfe solche Schmähungen umgehend zurückweisen. Denn damit werden alle Bischöfe und die gesamte Kirche beleidigt. Nach ihrem großen „Erfolg“ im Verhindern werden „Wir sind Kirche“, Homolobby und so weiter keinen Bischof mehr akzeptieren, der ihnen nicht passt. Notfalls wird man wieder mit öffentlicher Mobilisierung und Volksbegehren drohen. Man wird die Kandidaten nach eigenen Maßstäben durchleuchten und festzulegen suchen. Und die Bischöfe können oder wollen sich dagegen nicht mehr wehren.

    Nach den gemachten Erfahrungen muss man sogar befürchten, dass die Bischöfe in vorauseilendem Gehorsam nur noch die „richtigen“ Kandidaten im Sinne von „Wir sind Kirche“ benennen werden und nicht solche, die für die Verkündigung des Glaubens und für die Leitung der Kirche am besten geeignet sind. Die österreichische Kirche wird zu einer Nationalkirche. Darin haben ihre Bischöfe zudem nur noch geringe Autorität. Das erkennt man aktuell auch daran, wie sie den Fall des Josef Friedl behandeln beziehungsweise nicht behandeln. Das ist Ärgernis erregend und hat eine verheerende Signalwirkung auf alle anderen Priester.

    Norbert Thobrock, 50937 Köln