Die Kirche von Tarsus und die Lage der Christen in der Türkei: Diskriminierte Christen: Tourismus als Druckmittel

Zu den Artikeln „Der Kardinal hat Recht“ (DT vom 11. August), „Schick mahnt Ankara“ vom (DT vom 13. August), „Es ist keine gute Entwicklung“ (DT vom 4. August) möchten wir folgendes bemerken:

„Wir sollten nicht einfach den Mund halten, wenn wir nicht die gleiche Freiheit haben wie Muslime in anderen Ländern.“ Mit deutlicher Sprache klagt Luigi Padovese, katholischer Bischof in der Türkei, darüber, dass der türkische Staat die Christen in der Türkei schikaniert. So fordert etwa eine Verordnung, dass die Feier von Gottesdiensten in der Pauluskirche (heute Museum) drei Tage vorher angemeldet werden muss. Zudem könne sie auf 30 Minuten begrenzt werden, „falls die Zelebration einen negativen Einfluss für die Besichtigung anderer Besucher haben sollte“. Dies lese ich in der „Tagespost“ vom 4. August. Kardinal Meisner fügt dort deutlich hinzu, dies sei die gleiche Praxis „wie für alle anderen Orte der Türkei, in denen gelegentlich christliche Gottesdienste erlaubt werden“. Dies ist die Realität, die wir gewohnt sind hinzunehmen. Aber nicht alle nehmen diese Realität hin.

Ausdrücklich möchte ich daher dem Kölner Stadtdechanten Johannes Bastgen sowie der Vorsitzenden des Kölner Katholikenausschusses, Hannelore Bartscherer, dafür danken, dass sie diese unsägliche Problematik in einem Brief an den türkischen Generalkonsul in Köln angesprochen haben. Zu Recht beklagen sie die Diskrepanz zwischen der von Muslimen beteuerten Religionsfreiheit in der Türkei einerseits sowie dem Verbot, ein Grundstück zum Bau einer Kirche zu erwerben andererseits. Die nachdenklichen Leser wundern sich sehr, dass Bastgen und Bartscherer als Bittsteller vor den türkischen Staat hintreten müssen, der für Muslime Toleranz bis ins Detail fordert und diese den Nichtmuslimen nicht einmal in Kleinigkeiten gewährt.

Es sei in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Türkei die Kairoer Menschenrechtserklärung von 1991 unterschrieben hat. In ihr verbietet Artikel eins jede Diskriminierung auf Grund von religiösem Glauben. Gerne wird bei Diskussionen darauf hingewiesen. Allerdings werden bewusst die Artikel 22 bis 25 verschwiegen, in welchen alle Rechte und Freiheiten der islamischen Scharia unterworfen sind.

Letztlich müssen sich die Theologen des türkischen Religionsministeriums fragen lassen: Will Allah christlichen Glauben und christliches Leben in der Türkei und anderen islamisch geprägten Ländern? Oder fordert Allah Schikane und Ausgrenzung derer, die Christus als Weg, Wahrheit und Leben angenommen haben?

Zu den Artikeln „Der Kardinal hat Recht“ (DT vom 11. August) und „Schick mahnt Ankara“ (DT vom 13. August) möchte ich folgendes bemerken:

Nachdem alle „Zusagen“ zur Pauluskirche in Tarsus von den verantwortlichen türkischen Politikern wieder stillschweigend eingesammelt wurden und die „unwürdigen“ alten Zustände wieder hergestellt sind, scheinen alle Bitten und Ermahnungen von unseren Kirchenführern und Politikern in Deutschland fruchtlos zu bleiben.

Ich erlaube mir, an dieser Stelle einen wirkungsvollen Vorschlag zu unterbreiten: Ich denke, hier könnten wir Christen, ob evangelisch oder katholisch, von den Menschen, die dem Islam angehören, sehr viel lernen, nämlich Solidarität: Ich persönlich habe mir ein Reiseverbot in die Türkei verordnet, obwohl es ein sehr schönes, kulturell interessantes und dazu noch billiges Urlaubsland ist. Ich werde dieses Land als Reiseziel meiden, solange die Schikanen in Tarsus andauern. Bei aller Liebe zu den Türken: „Auf einen groben Klotz gehört anscheinend ein derber Keil.“ Ich bin mir sicher, einige hunderttausend Touristen weniger und die Kirche in Tarsus stünde offen.