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    Der postmoderne Mensch und seine Neurosen: Oftmals versteckt erkrankt

    Herr Dr. Alexander Riebel zitiert im Artikel „Schwach gedacht“ (DT vom 2. Juli): „Der postmoderne Mensch, der das Ende der großen vereinheitlichenden Synthesen traditionellen metaphysischen Denkens überwunden hat, vermag ohne Neurose in einer Welt zu leben, in der Gott nicht mehr anwesend ist...“

    Herr Dr. Alexander Riebel zitiert im Artikel „Schwach gedacht“ (DT vom 2. Juli): „Der postmoderne Mensch, der das Ende der großen vereinheitlichenden Synthesen traditionellen metaphysischen Denkens überwunden hat, vermag ohne Neurose in einer Welt zu leben, in der Gott nicht mehr anwesend ist...“

    Meine Erfahrung als analytisch orientierte Psychologin mit „postmodernen Menschen“ ist eine ganz andere. Seit mehr als zwanzig Jahren beobachte ich, dass Menschen, die meinen, ohne Gott leben zu können, vermehrt an einer „versteckten“ Neurose erkranken, die erst dann ausbricht, wenn sie von einem Schicksalsschlag getroffen werden. Sie manifestiert sich in einer Sinnkrise, die meistens zu Depressionen führt.

    Dass wissenschaftliche Erkenntnisse in einer Sinnkrise nicht helfen, hat selbst Charles Darwin, aus dessen Autobiografie hervorgeht, dass er „sein Leben der Wissenschaft geweiht habe“, erfahren. Nachdem drei seiner Kinder starben und das vierte (Anni), zu dem er ein inniges Verhältnis hatte, auch im Sterben lag, war er der Verzweiflung nahe. Es erfasste ihn in der tiefen Dimension seiner Seele etwas, was nicht zu seiner Evolutionslehre passte: Die Hoffnungslosigkeit.

    Dr. phil. Martha von Jesensky, Psychologin, CH-8272 Ermatingen am Untersee