Der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, im Interview: Warum Verständigung oft so schwierig ist: So lassen sich die Probleme nicht lösen: Islam-Kritik: Rassismus ist nicht die Ursache

Besten Dank für das aufschlussreiche Interview mit dem Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland. Leider dokumentiert das Gespräch, warum der Dialog, den ich für alternativlos halte, oft schwierig ist. Wenn Mazyek zu den Worten der Bischöfe nichts anderes einfällt, als die Behauptung, den Einsatz der Muslime für Religionsfreiheit in ihren Heimatländern gebe es bereits, dann muss man nüchtern feststellen, dass dies vielleicht punktuell zutrifft, er aber nicht gewillt scheint, den Problemen ernsthaft ins Auge zu sehen. So wird Verständigung leider schwierig.

Zum Interview mit Aiman Mazyek „Wo Christen leiden, leiden auch Muslime“ (DT vom 14. September): Herrn Mazyek vom Zentralrat der Muslime muss in vielen Punkten klar widersprochen werden. Als westlich zivilisierte Gesellschaft können wir sehr wohl erwarten, dass sich ein großer hiesiger Moslemverband mit den massiven Diskriminierungen und Bedrohungen von Christen in islamischen Ländern beschäftigt und klar dagegen Stellung nimmt. Stattdessen behauptet er, dass in Gegenden mit Christendiskriminierung immer auch Muslime in der Religionsfreiheit eingeschränkt werden, was für China stimmen mag, im Hinblick auf die islamischen Länder aber wohl nur als dreist bezeichnet werden kann. Und wo solidarisiert sich der Zentralrat der Muslime mit verfolgten Christen, habe ich da etwas nicht mitgekriegt?

Für einen Politiker, im Interview wird hier Günther Beckstein genannt, mag es in bestimmten Situationen geraten sein, gegenüber Ländern wie Saudiarabien Zurückhaltung zu üben, aber für einen Vertreter einer Religion, die für sich einen hohen moralischen Anspruch fordert, gibt es so eine Ausrede nicht. Wenn also im Namen des Islam schweres Unrecht geschieht, so muss das ohne Wenn und Aber verurteilt werden; wenn Herr Mazyek dies nicht leisten will, soll er sich bitteschön aber nicht beschweren, dass der Islam in Deutschland nicht gerade ein Sympathieträger ist.

Darüber hinaus ist es unseriös, auf Saudiarabien zu verweisen, für die hiesigen Muslime wäre es natürlich aufgrund ihrer überwiegenden Herkunft viel naheliegender, auf Verbesserungen der Situation der Christen in der Türkei hinzuwirken.

Wenn Herr Mazyek feststellt, dass dem Islam in Deutschland Wut und Aggression entgegenschlagen, könnte er dies zum Anlass nehmen, einmal eigene Gewissenserforschung zu betreiben, für eine schonungslose Analyse empfehle ich die Lektüre von Thilo Sarrazin. Stattdessen hier den Begriff der Islamophobie zu verwenden, also eine irrationale Angst vor dem Islam zu unterstellen, wo es aber tatsächlich um sehr wohl begründete Sorgen geht, nervt, genauso wie der Vorwurf des Rassismus?

Das ganze Interview atmet den Geist einer unangenehmen Selbstgerechtigkeit, offensichtlich sieht Herr Mazyek keine Schuld auf Seiten des Islams. Solange sich dies nicht ändert, kann der Zentralrat der Muslime meines Erachtens nicht als seriöser Partner bei der Lösung der Probleme in Deutschland betrachtet werden.

In der Tagespost vom 14. September lese ich auf Seite 1 unten das Interview mit Herrn Aiman Mazyek. Mit Verwunderung nehme ich zur Kenntnis, dass der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime den Islam für einen Teil Deutschlands hält. Dies mag man zum Beispiel von Bayern oder Hessen sagen. Irrig ist auch der Rassismusvorwurf. Die Gründe dafür, dass ein Teil der Bevölkerung islamophob ist, liegen nicht in Vorurteilen gegen eine bestimmte Rasse. Die Ursachen hierfür sind bekannt und dürften auch dem Herrn Generalsekretär bekannt sein. Der Interviewer hätte hier an einigen Stellen nachhaken können.