Debatte um „Benedikt-Option“: Keine Möglichkeit zur Mitgestaltung

Debatte um „Benedikt-Option“

Zu „Mitreden und mitgestalten“ (DT vom 7.2.): Die Autoren warnen eindringlich davor, Drehers „Benedikt-Option“ zu befolgen, da die Christen ansonsten in 20 Jahren in christlichen Ghettos leben würden. Wir als Christen dürfen froh sein, wenn uns diese Ghettos in 20 Jahren überhaupt noch zugestanden werden!

Das Ehepaar Kugler geht ebenso zwingend wie falsch davon aus, dass es in der Politik und im gesellschaftlichen Leben noch die Möglichkeit einer „Mitgestaltung“ gibt. Ob dies in Österreich der Fall ist, möchte ich

nicht bewerten, in Deutschland ist dies nicht (mehr) der Fall – zumindest in christlicher Hinsicht: In einer Gesellschaft, die gegen den in ihr herrschenden krankhaften Erfolgsmythos, Profitdenken, Kriminalität, Egoismus, rücksichtslosem

Kommerz und bekennenden Atheismus von maßgeblicher Stelle aus nicht nur

nichts dagegen unternehmen will, sondern diese Zustände noch als „lebenswert“ propagiert, gibt es kaum noch etwas, was sich einer „Mitgestaltung“ lohnt. Rod Drehers Buch stellt eine christliche Gegenstrategie zu diesen teilweise unerträglich gewordenen Zuständen dar – wie es im Buchtitel

steht „für Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft“.

Warum ihr weniger Erfolg beschieden sein soll, als der von den Autoren geforderten Mitwirkung in einer nach- oder unchristlichen Gesellschaft, ist nicht nachvollziehbar. Ich bin gerne bereit, in 20 Jahren mit den Autoren in Verbindung zu treten – weniger um zu sehen, wer Recht behalten hat, sondern ob die Menschen bis dahin tatsächlich eine Einsichtsfähigkeit für das Gute entwickelt haben.

Dr. Andreas Müller,

66953 Pirmasens