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    Christlich-jüdischer Dialog – Papst Pius XII. und die Juden: An Pinchas Lapide erinnern

    Als „geeignetes Signal der Entspannung“ habe der römische Oberrabbiner die Klarstellung des Vatikans zum Seligsprechungsverfahren von Papst Pius XII. bezeichnet. Die historische Bewertung des Pacelli-Papstes sei und bleibe offen und kontrovers (DT vom 29. Dezember). Es ist kaum glaubhaft, dass der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni die übereinstimmenden Wertschätzungen jüdischer Stellen der Person Papst Pius' XII. nicht kennen sollte.

    Als „geeignetes Signal der Entspannung“ habe der römische Oberrabbiner die Klarstellung des Vatikans zum Seligsprechungsverfahren von Papst Pius XII. bezeichnet. Die historische Bewertung des Pacelli-Papstes sei und bleibe offen und kontrovers (DT vom 29. Dezember). Es ist kaum glaubhaft, dass der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni die übereinstimmenden Wertschätzungen jüdischer Stellen der Person Papst Pius' XII. nicht kennen sollte.

    So veröffentlichte der jüdische Historiker und Theologe Pinchas Lapide sein Anti-Hochhut-Buch „Rom und die Juden“, das auf mehrjähriger Forschungsarbeit in vorwiegend jüdischen Archiven beruht. Aufgrund seiner Forschungen in der Hebräischen Universität und Nationalbibliothek in Yad Vashem, der Memorial-Behörde Israels, den Zionistischen Zentralarchiven und den Allgemeinen Archiven für Jüdische Geschichte in Jerusalem kommt Lapide auf mindestens 700 000, wahrscheinlich sogar über 800 000 Juden, die unter dem Pontifikat Pius' XII. durch die katholische Kirche gerettet wurden. Das sind weit mehr als die, die von allen anderen religiösen Einrichtungen und Hilfsorganisationen, einschließlich des Internationalen Roten Kreuzes und der westlichen Demokratien zusammen gerettet wurden.

    Bemerkenswert dazu sind einige Pressestimmen. „Le Monde“, Paris: „Lapide unterzieht sich der Aufgabe, die Bilanz dessen zu ziehen, was der Papst Pacelli für die Juden getan oder was auf seine ausdrückliche Anweisung hin von allen kirchlichen Instanzen, Katholiken, Priestern und Ordensleuten in den besetzten Ländern getan wurde. Wenn Pius XII. bezichtigt wird, selbst dann nicht für die Juden eingetreten zu sein, als sie von Rom nach Auschwitz deportiert wurden, ist dies völlig absurd. Zwar wurden 1 127 Juden verschleppt, bevor der Papst davon erfuhr, aber nachdem er informiert wurde, wurden auf seine Weisung 4 447 Juden in Männerklöstern, Schwesterhäusern und weiteren Institutionen versteckt.“

    1970 veröffentlichte Lapide einen Beitrag unter dem Titel „Warum sollte ein Jude Papst Pius XII: verteidigen?“ In ihm zitiert er einen Bericht eines jüdischen Offiziers in der Tel Aviver Zeitung „Davar“: „Als wir 1944 in Rom einzogen, sagten die jüdischen Überlebenden voller Dankbarkeit und Ehrfurcht, dafür, dass wir gerettet worden sind, dafür, dass die Juden in Rom noch leben, kommt mit uns in den Vatikan und dankt dem Papst. Denn im Vatikan selbst, in Kirchen, Klöstern und Privathäusern hatte man die Juden auf seinen persönlichen Befehlt versteckt.“

    Abschließend möchte ich an einen Vorgänger von Herrn Riccardo Di Segni erinnern, der aus Bewunderung für die unermüdliche Hilfe Pius' XII. zugunsten der verfolgen Juden nach dem Krieg zur katholischen Kirche übertrat und aus Dankbarkeit den Taufnamen des Papstes Eugenio annahm.

    Georg Weihmayer, 86391 Stadtbergen