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    Bundestagswahl: Bei CDU und FDP wird's mulmig

    In einigen Artikeln und Leserbriefen der „Die Tagespost“ wird der Eindruck beschworen, man habe bei der Bundestagswahl als guter Katholik kaum eine andere Wahl, als den „C“-Parteien seine Unterstützung angedeihen zu lassen – wenngleich zähneknirschend. Bei den Bundestagswahlen 1976 schien das vielleicht noch die richtige katholisch-christliche Einstellung zu sein. Damals ging meine Großmutter hochmotiviert zur Wahl. Schließlich war sie – gemäß des damaligen Wahlslogans der CDU – im festen Glauben, dass jeder der nicht zur Wahl geht, die SPD wähle. Das galt es selbstverständlich zu unterbinden.

    In einigen Artikeln und Leserbriefen der „Die Tagespost“ wird der Eindruck beschworen, man habe bei der Bundestagswahl als guter Katholik kaum eine andere Wahl, als den „C“-Parteien seine Unterstützung angedeihen zu lassen – wenngleich zähneknirschend. Bei den Bundestagswahlen 1976 schien das vielleicht noch die richtige katholisch-christliche Einstellung zu sein. Damals ging meine Großmutter hochmotiviert zur Wahl. Schließlich war sie – gemäß des damaligen Wahlslogans der CDU – im festen Glauben, dass jeder der nicht zur Wahl geht, die SPD wähle. Das galt es selbstverständlich zu unterbinden.

    Aber schon unter CDU-Parteichef und Bundeskanzler Helmut Kohl war mir mulmig zumute, das wurde aber durch einen Richard von Weizsäcker noch ein wenig besänftigt. Die heutige Aussicht auf eine schwarz-gelbe Zukunft unter Mitwirkung von Guido Westerwelle bereitet mir aber unerträgliche Rückenschmerzen. Ob dieses Kreuz für meine Bandscheiben nicht doch etwas zu schwer ist, um es am 27. September hinter dem „C“ einzutragen? Eine konservative Volkspartei, die auf eine gesellschaftliche Mehrheit schielt, kann diesen Erfolg nur mit der post-bürgerlichen Mitte erzielen. Dort aber treiben sich nicht mehr viele Christen herum. Dort herrscht narzisstischer Pragmatismus mit zivilreligiös-atheistisch-buddhistisch-esoterischen Wellnessuntermalungen. Zeitgeist eben und genau das, was die CDU meines Erachtens heute unwählbar macht. Der Christ aber hat dem Zeitgeist gegenüber eine kritische Distanz zu wahren. Und eine christliche Partei, die dieses Attribut zu Recht trägt, muss sich heute damit abfinden, eine Minderheit zu repräsentieren. Ich jedenfalls sehne mich danach, mein Kreuz ohne Gewissensbisse auf dem Wahlzettel zu hinterlassen. Auch auf die Gefahr hin, dass meine Stimme unter „sonstige Parteien“ im Nirwana der Demokratie verschwindet. Wenn viele sich trauen würden, diesen Schritt zu tun, könnte ja vielleicht irgendwann mal ein kleiner Koalitionspartner der CDU entstehen.

    Albert Frick, 79102 Freiburg