Auf der Suche nach den Ursachen der Jugendkriminalität: Beispiele für Selbsterziehung

Jürgen Liminski listet in der Tagespost vom 27. März viele Gesichtspunkte zum „tragischen Dreieck: Armut, Bildung, Erziehung“ auf und stellt die Frage: „Eine verlorene Generation oder ein Systemfehler?“. Die wesentliche Ursache der ganzen Fehlentwicklung sieht er aber leider nicht.

Von der Aufklärung an über viele Stufen bis zum „Dritten Reich“ und der „68er Revolution“ sind immer mehr menschlich ideologische Zielsetzungen in den Mittelpunkt des menschlichen Lebens getreten. Die von Gott für das menschliche Zusammenleben vorgesehene Ordnung wurde immer mehr missachtet. Natürlich ist die Familie als Grundzelle dieser Ordnung als erstes davon betroffen. Ihre richtige Wiederherstellung ist für die Zukunft unerlässlich.

Wenn auch heute die Familie regelrecht zerstört wurde, so gab es doch auch in früheren Zeiten dort oft katastrophale Verhältnisse. Die Erziehung der Kinder wurde dann immer von Personen, welchen die Weiterführung der Jugenderziehung anvertraut war, wieder ausgeglichen, was heute durch die 68er und ihre Kinder leider nicht geschieht. Einen wesentlichen Erfolg hatte aber immer daneben eine Selbsterziehung der jungen Menschen, mit der sie dann noch zu charaktervollen Persönlichkeiten heranreifen konnten. Diesen Weg hat zum Beispiel Don Bosco beschritten und auch Lord Baden-Powell mit seiner pfadfinderischen Selbsterziehungsmethode.

Alle menschlichen Ideologien waren immer darauf bedacht, möglichst viele Jugendliche von der Bindung an Gott zu lösen, um sie dann für ihre Zwecke einzusetzen. Das war und ist ganz deutlich bei der Einflussnahme der 68er zu erkennen. Diese Revolution wurde von Personen in die damalige Bundesrepublik Deutschland hineingetragen, die ihre Kinder- und Teile der Jugendzeit in der DDR verbracht hatten. In der Pfadfinderarbeit konnten sie zuerst Fuß fassen, und das geschah nicht nur durch die Abschaffung des Versprechens, Gott, der Kirche und dem Land treu zu dienen, sondern auch aller Zielsetzungen der katholischen Jugendarbeit, die schon von den 20er Jahren an selbstverständlich waren. Die Verehrung der heiligen Gottesmutter als Schutzherrin des katholischen Jugendbundes und der vielen Heiligen vor 1933. Aus dieser Sicht der Zusammenhänge kann Selbstbeherrschung, Frustrationstoleranz, Durchhaltevermögen und Selbstwertgefühl bei der Jugend nur durch eine neue Jugendbewegung wieder hergestellt werden mit einer Verpflichtung, Gott entsprechend dem Tauf- und Firmversprechen wieder an die erste Stelle zu setzen. Und das durch persönliche Verpflichtung jedes Einzelnen, das, wie bei der Schweizer Garde, in aller Öffentlichkeit abgegeben werden muss.

Die Lösung aller Probleme liegt also bei der Jugend selbst. Sie muss sich von den 68ern und ihren Kindern lösen und in Bindung an die vollständige Überlieferung neu formieren. Erst dann ist sie keine „verlorene Generation“ mehr, sondern das wertvollste Kapital für die Zukunft der Gesellschaft. Erst dann gibt es auch wieder Mütter, die ihre Kinder von jung auf in der Familie entsprechend anleiten können. Die Politiker sind dabei zur Hilfeleistung verpflichtet.