Anhaltende Empörung über Kritik an Benedikt XVI. und die Papst-Schelte der ZdK-Vize: Schädliches Nachtreten verletzt Gläubige: Dahinter stecken tieferliegende Gründe : Das Gremium müsste sich umbenennen

Zu Recht schlägt die Empörung auf Ihrer Leserbriefseite hohe Wellen gegen das seit dem Amtsverzicht Benedikts XVI übliche öffentliche Nachtreten von verschiedenster Seite. Es ist einfach unverständlich, wie eine Vielzahl von prominenten Personen des kirchlichen Lebens so locker vom Hocker Sätze formuliert, deren Inhalt bei Katholiken, die mit Vernunft und Liebe zur Kirche begabt sind, nur ärgerlichstes Kopfschütteln hervorrufen kann. Es wird allmählich unerträglich!

Diese Prominenten sollten doch von den Politikern, mit denen sie sich so gerne umgeben, schon ausführlich gelernt haben, dass alles aus dem Zusammenhang gerissen wird – und aber auch dann einen Sinn ergeben muss! Auch ohne Kontext muss ein Satz lesbar sein und darf niemals eine Beleidigung sein. Prominente müssen sich jeden Satz genau überlegen – lieber weniger reden, als Quatsch – der Schaden kann immens sein.

Es erhebt sich außerdem der Verdacht, ob nicht in bestimmten Zirkeln das üble und herabsetzende Sprechen über Benedikt seit Jahren so an der Tagesordnung war, dass dort gar nicht mehr gemerkt wird, wie daneben man liegt – und man auch gar nicht mehr nachdenkt, ob denn wirklich alle deutschen Katholiken dergleichen goutieren. Nur so könnte ich mir erklären, dass Leute dann in der Öffentlichkeit solche Ansichten lauthals zum besten geben.

Es muss auch die Frage erlaubt sein, ob man sich solches Nachtreten auch gegenüber einem emeritierten Papst aus einer anderen Nation erlauben würde. Würden diese Leute merken, dass sie damit das fremde Land und viele Katholiken dort beleidigen? Ich stelle die Behauptung auf, dass durch das übelgesonnene Dahergerede über den geliebten Papst Benedikt Tausende von Katholiken in unserem Land tief verletzt werden, auch ich!

Wir schämen uns für solche Deutschen. Solches Nachtreten schadet auch unserem Land. Als Bayerin fühle ich mich verletzt von ausgegossenen Kübeln über den berühmtesten Sohn Bayerns.

Papsttreue, von der Theologie und der Tapferkeit Benedikts immer wieder faszinierte Christen wissen natürlich, dass jeder Papst vom Herrn der Kirche genau zu einer bestimmten Zeit für die Leitung des Schiffleins Petri erwählt ist – und jetzt freuen wir uns begeistert über Papst Franziskus und wünschen Benedikt noch einige Jahre.

Vieles, was man an Franziskus jetzt heraushebt, war ebenso ein formuliertes Anliegen Benedikts. Jeder Mensch ist natürlich geprägt und geformt von seinem priesterlichen Lebenslauf bisher. Es gibt kein Recht aus Deutschland, taktlos hinterherzukritisieren! Bei den nächsten Entgleisungen müssen Rücktritte gefordert werden.

Wenn eine hohe Repräsentantin des ZdK es immer noch für nötig hält, auf unseren Papst emeritus Benedikt einzudreschen, dann müssen tiefliegende Gründe dahinter stecken. Kein Wunder: hat doch Joseph Ratzinger die „mondane Selbstreferentialität“ (Papst Franziskus Kardinal de Lubac zitierend) des ZdK schon vor über einem Jahrzehnt glasklar dargelegt. Im dem zweiten großen Interview des Journalisten Peter Seewald mit dem damaligen Glaubenspräfekten im Jahr 2000 äußerte sich Kardinal Ratzinger zur Frage eines falsch verstandenen Laien-Apostolats unter anderem: „Meiner Meinung nach basiert dieser Akzent (das Einfordern einer rechtlichen Gleichstellung der Laien mit dem Klerus, Anm.) auf einer verfehlten Grundlage. Sie geht davon aus, dass die Kirche nun in dem Sinn regiert werden müsste, dass zwei Stände da sind, die gleichsam beide vertreten sein müssten und miteinander ausmachten, was Kirche ist. Dass zum einen die Laien ihre Vertretungen bilden – die dann ins Zentralkomitee der deutschen Katholiken hinaufmünden – und gewissermaßen für die Laienkirche sprechen. Und dass auf der anderen Seite die Kleriker ihre Gremien bilden; was ein kompletter Unsinn ist.“ [..] „Wenn der Klerus sich recht versteht, dann schreibt er ja nicht vor, was Kirche ist, sondern dann steht er in dem Gehorsam, dessen Garant der Papst ist. Dann sorgt er gerade dafür, dass nicht Menschen die Kirche nach ihren Wünschen zurechtmodellieren, sondern dass sie in den Händen des Herrn bleibt. [..] Dass das Christentum die Welt erfasst und umgestaltet, das ist das eigentliche Laienapostolat.“ (Papst Benedikt XVI., Gott und die Welt, Knaur Taschenbuch Verlag, Neuausgabe 2005, S. 417f.)

Nimmt angesichts dieser Deutlichkeit das Verhalten des ZdK noch Wunder? Ich pflichte den bisherigen Leserbriefschreibern zu dieser Thematik zu: das ZdK ist keine Vertretung des deutschen Laienkatholizismus mehr. Die Deutsche Bischofskonferenz sollte entsprechend handeln.

Mein leider zu früh verstorbener CV-Bundesbruder Erzbischof Johannes Dyba, Fulda, bedauerte, dass bei der Selbstauflösung der vielen politischen Zentralkomitees nach der großen politischen Wende das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als einziges leider bestehen geblieben sei. Eigentlich müsste dieses ZdK sich umbenennen in ZdpK (Zentralkomitee der protestantisierten Katholiken).