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    Quo vadis Comunione e Liberazione?

    Zufälle gibts... Am Montagvormittag hat der Sekretär der Italienischen Bischofskonferenz, Mons. Mariano Crociata, einen Vortrag vor Politikern aller politischen Lager und Parteien in der Abgeordnetenkammer des italienischen Parlaments gehalten. Und am Montagnachmittag kam dann das Ergebnis der italienischen Kommunalwahlen heraus - mit jener historischen Schlappe für Berlusconi und seiner Mannschaft in Mailand und Neapel, aber auch in anderen Kommunen des Landes. Besonders bitter für den Cavaliere: Seine Hochburg Mailand übernimmt nun ein Bürgermeister, der aus der kommunistischen Bewegung stammt (und in Neapel wird ein ehemaliger Richter regieren, der sich ebenfalls zur Linken zählt - auch nicht gerade schön für den "Richter-Fresser" Berlusconi).
    Ich muss in diesem Augenblick an meine Freunde von Comunione e Liberazione denken, jener von Luigi Giussani in Mailand gegründeten katholischen Bewegung, von denen viele nach dem Zusammenbruch der "guten" alten Democrazia Cristiana in der "Forza Italia" Berlusconis einen strategischen Verbündeten sahen - und sich auf den politischen "Newcomer" (als Unternehmer und Medienzar hatte er bereits seine steile Karriere gemacht) eingelassen haben. Roberto Formigoni, Maurizio Lupi... Ihnen geht es jetzt - aber seit längerem schon - wie vielen im Vatikan oder in der Italienischen Bischofskonferenz. Nach dem politischen Erdbeben 1993/1994, das die klassischen Parteien des Landes und auch die politischen Bezugspunkte der Katholiken verschwinden ließ, erstand auf einmal in Silvio Berlusconi ein Garant, der dafür sorgte, dass in Italien (vordergründig) keine Politik gegen die Kirche gemacht werden kann.
    Und nun? Das war jetzt der Anfang vom Ende, der nicht mehr aufzuhaltende politische Absturz des einstigen Strahlemanns Berlusconi, der die "politischen" Köpfe von Comunione e Liberazione vielleicht vor dieselbe Frage stellt wie Monsignor Crociata von der Italienischen Bischofskonferenz: Mit wem in diesem unglücklichen und traditionell so katholischen Land kann der Christ noch zusammenarbeiten, wenn es um die Soziallehre der katholischen Kirche und deren Menschenbild geht? Vielleicht doch mit den Siegern Pisapia in Mailand oder De Magistris in Neapel? Nachdem am vergangenen Freitag die nächste Nummer des Vatican-magazins in Druck gegangen ist, an dessen monatlichem Erscheinen ich nicht ganz unbeteiligt bin und auf das ich hier einmal empfehlend hinweisen möchte, waren erst einmal ein paar Tage schöpferischer Erholung mit den Bauern und netten Nachbarn in der Sabina angesagt. Es gab Wein, Tomaten, Oliven und jede Menge Fleisch vom Grill. Aber spätestens bis Samstag ist für "Die Tagespost" eine Analyse der innenpolitischen Lage Italiens angesagt. Das wird nicht gerade ein Heldenepos, sondern eher ein Trauerspiel. A presto!