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    Wahrhaft, wirklich und wesenhaft gegenwärtig

    Wenn im Juni des kommenden Jahres in Köln der Eucharistische Kongress abgehalten wird, dann bedeutet dies eine herzliche Einladung an alle Christgläubigen, sich auf vertiefte Weise mit „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, wie das Zweite Vatikanische Konzil die Eucharistie bezeichnet (LG 11), auseinanderzusetzen. Der Kongress trifft in eine Zeit, in der die sonntägliche Messfeier nicht mehr in allen Pfarrgemeinden sichergestellt werden kann, in eine Zeit, in der aber auch der eucharistische Glaube und die eucharistische Frömmigkeit im Schwinden begriffen sind. Für viele Christen ist die Eucharistie nur noch ein Stückchen Brot, das man bei der wöchentlichen Gemeindeversammlung zum Zeichen christlicher Gastfreundschaft bekommt. An vorgegebene Riten möchten sich viele Priester ebenfalls nicht mehr halten und tragen anstelle der heiligsten Texte der Liturgie ihre eigenen frei formulierten Gebete vor. Auch den Erstkommunionkindern möchte man nur noch ein „Mahl mit Jesus“ bieten, sie aber keinesfalls auf den Empfang des göttlichen Heilandes unter der Gestalt der weißen Hostie vorbereiten. Nicht „Anbetung“ des Allerheiligsten steht auf dem Programm, sondern das Fest der „Dankbarkeit“, wie man Eucharistie frei übersetzt. Doch das Wesen der Eucharistie hat sich durch die Jahrhunderte hindurch nicht geändert. Was die Kirche einmal definitiv festgelegt hat, ist bleibendes Glaubensgut der Kirche. Daran können auch heutige Pastoralstrategen nicht vorbei handeln. So tut es gut, sich die Lehre über die Eucharistie erneut vor Augen zu führen.

    Der Eucharistische Kongress, der im Juni 2013 in Köln stattfindet, ist ein guter Anlass, sich erneut der katholischen Le... Foto: KNA

    Wenn im Juni des kommenden Jahres in Köln der Eucharistische Kongress abgehalten wird, dann bedeutet dies eine herzliche Einladung an alle Christgläubigen, sich auf vertiefte Weise mit „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, wie das Zweite Vatikanische Konzil die Eucharistie bezeichnet (LG 11), auseinanderzusetzen. Der Kongress trifft in eine Zeit, in der die sonntägliche Messfeier nicht mehr in allen Pfarrgemeinden sichergestellt werden kann, in eine Zeit, in der aber auch der eucharistische Glaube und die eucharistische Frömmigkeit im Schwinden begriffen sind. Für viele Christen ist die Eucharistie nur noch ein Stückchen Brot, das man bei der wöchentlichen Gemeindeversammlung zum Zeichen christlicher Gastfreundschaft bekommt. An vorgegebene Riten möchten sich viele Priester ebenfalls nicht mehr halten und tragen anstelle der heiligsten Texte der Liturgie ihre eigenen frei formulierten Gebete vor. Auch den Erstkommunionkindern möchte man nur noch ein „Mahl mit Jesus“ bieten, sie aber keinesfalls auf den Empfang des göttlichen Heilandes unter der Gestalt der weißen Hostie vorbereiten. Nicht „Anbetung“ des Allerheiligsten steht auf dem Programm, sondern das Fest der „Dankbarkeit“, wie man Eucharistie frei übersetzt. Doch das Wesen der Eucharistie hat sich durch die Jahrhunderte hindurch nicht geändert. Was die Kirche einmal definitiv festgelegt hat, ist bleibendes Glaubensgut der Kirche. Daran können auch heutige Pastoralstrategen nicht vorbei handeln. So tut es gut, sich die Lehre über die Eucharistie erneut vor Augen zu führen.

    Wesensverwandlung statt symbolhafte Gegenwart

    Fraglich geworden ist zum Beispiel für viele, ob das Brot in der Messfeier tatsächlich in den Leib des Herrn verwandelt wird oder ob es nicht vielmehr nur ein Symbol für die Gegenwart Jesu Christi darstellt. Bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts lehrte das Vierte Konzil im Lateran jedoch, dass in der Kommunion Jesus Christus empfangen wird, „dessen Leib und Blut im Sakrament des Altars unter den Gestalten von Brot und Wein wahrhaft enthalten ist, wenn durch göttliche Macht das Brot in den Leib und der Wein in das Blut wesenhaft verwandelt sind“ – hier finden wir erstmals in einem lehramtlichen Dokument den Begriff der „Transsubstantiation“ (Wesensverwandlung), der erklärt, auf welche Weise Jesus Christus in der Eucharistie gegenwärtig wird. Dies geschieht nämlich durch die Verwandlung des „Wesens“ von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu unter Beibehaltung der äußeren „Gestalten“ von Brot und Wein. Davon abweichende Überlegungen über eine nur symbolhafte Gegenwart Jesu stehen dazu im Widerspruch.

    Auch die Frage, wer die Messe feiern kann, wurde definiert: „Dieses Sakrament kann freilich nur ein Priester vollziehen, der gültig geweiht wurde entsprechend den Schlüsseln der Kirche, die Jesus Christus selbst den Aposteln und ihren Nachfolgern gewährte.“ Damit ist bereits Jahrhunderte vor der Reformation klar definiert, dass die heilige Messe nur von geweihten Priestern gefeiert werden kann und somit Luthers Behauptung fehlt geht, der sagte: „Was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht zu sein.“

    In eine große Krise geriet die gesamte Kirche und speziell auch die Eucharistielehre nämlich durch die Reformation. Der Mönch Martin Luther gab das Priesteramt auf und nahm sich eine Nonne zur Ehefrau; das Messopfer an sich sowie die Darbringung der Messe für Verstorbene lehnte er strikt ab, und den Messkanon betrachtete er als Mittelpunkt eines götzendienerischen Kultes. Die Frage, ob Luther Katholiken daher heute als „Vater im Glauben“ dienen kann, sollte damit eindeutig beantwortet sein.

    Das Konzil von Trient musste daher im 16. Jahrhundert den Irrlehren Luthers die katholische Lehre entgegenhalten und leuchtete – weit über eine katholische Gegendarstellung hinausgehend – das Geheimnis der Eucharistie in seiner ganzen Tiefe aus: so sei Christus nicht nur „zeichenhaft“ zugegen, sondern „wahrhaft, wirklich und wesenhaft“ und eben auch bleibend, solange nach der eucharistischen Wandlung die Gestalten von Brot und Wein vorhanden sind. Noch immer unterscheidet uns dieses katholische Eucharistieverständnis von den evangelischen Mitchristen, die untereinander selbst höchst uneins sind in dieser Frage: von den Lutheranern, die von der Gegenwart Christi im Augenblick des Abendmahlempfangs ausgehen, bis hin zu den Calvinisten, die die Gegenwart Christi rein symbolisch verstehen.

    Die katholische Kirche lehrt hingegen die Wesensverwandlung („Transsubstantiation“): nur die äußere Gestalt von Brot und Wein bleiben (Geschmack, Aussehen, Geruch) – das Wesen des Brotes und des Weines wird aber durch die Wandlungsworte in den Leib und das Blut Christi verwandelt. Daraus ergibt sich dann auch die Aufbewahrung der Eucharistie im Tabernakel für die Krankenkommunion und zum Zwecke der Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes, die in Trient festgeschrieben wurde.

    Der Priester handelt „in persona Christi“

    Auch in Bezug auf die Lehre vom Messopfer schuf das Konzil von Trient Klarheit: der Herr hat beim Letzten Abendmahl das heilige Messopfer eingesetzt. Die heilige Messe ist also nicht nur, wie heute viele meinen, ein Mahlritus, sondern vielmehr die Vergegenwärtigung und Zuwendung des Kreuzesopfers Christi. Der Priester ist somit nicht nur „Vorsteher“ einer Gemeindeversammlung, sondern der handelnde Opferpriester, der „in persona Christi“ ein Lob-, Dank- und Sühnopfer darbringt. Auch diese definierte Glaubenslehre wird heute von vielen infrage gezogen.

    Das Trienter Glaubensbekenntnis, das seit dem Konzil von den Priestern abgelegt werden musste, fasste den eucharistischen Glauben nochmals kurz zusammen: „Gleichfalls bekenne ich, dass in der Messe Gott ein wahres, eigentliches und sühnendes Opfer für Lebende und Verstorbene dargebracht wird, dass im heiligsten Sakrament der Eucharistie wahrhaft, wirklich und wesenhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus gegenwärtig sind, und dass eine Wandlung der ganzen Brotsubstanz in den Leib und der ganzen Weinsubstanz in das Blut geschieht; diese Wandlung nennt die katholische Kirche Wesensverwandlung. Ich bekenne, dass man auch unter lediglich einer der beiden Gestalten den ganzen und unversehrten Christus und das wahre Sakrament zu sich nimmt.“ Mit letzterer Bemerkung wandte sich die katholische Lehre gegen die auch heute noch gültige protestantische Auffassung, dass man den Gläubigen das Abendmahl zwingend unter beiderlei Gestalten darreichen müsse.

    Mit der Festschreibung der katholischen Lehre über die heiligste Eucharistie auf dem Konzil von Trient war der eucharistische Glaube jahrhundertelang gefestigt. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts bröckelte der katholische Glaube in dieser Frage erneut. Federführend für diese Verwirrung waren niederländische Theologen und der „Holländische Katechismus“, der noch während des Zweiten Vatikanischen Konzils erschien. Er ersetzte den Begriff der „Transsubstantiation“ durch „Transfinalisation“ und „Transsignifikation“: das heißt nicht das Wesen des Brotes habe sich gewandelt, sondern nur sein Ziel und seine zeichenhafte Bedeutung. Wie eine Rose zum Zeichen der Liebe und bunte Stoffe zu Zeichen einer Nation würden, so werde das Brot in der Messe zum Zeichen der Gegenwart Jesu. Doch nicht nur die Wesensverwandlung sollte aus dem theologischen Denken verbannt werden. Auch die Lehre über das Messopfer wurde von führenden Theologen geleugnet. Diesem Verlust im eucharistischen Glauben widersprach Papst Paul VI. in mehrfacher Weise: Der Holländische Katechismus wurde korrigiert, der Papst verfasste noch während des Konzils eine eigene Enzyklika „Mysterium fidei“ zur Eucharistie, und er verkündete ein paar Jahre nach dem Konzil das „Credo des Gottesvolkes“, in dem er den authentischen katholischen Glauben über die Eucharistie in Erinnerung rief: „Wir glauben, dass die heilige Messe, wenn sie vom Priester, der die Person Christi darstellt, kraft der durch das Weihesakrament empfangenen Gewalt gefeiert und im Namen Jesu Christi und der Glieder Seines mystischen Leibes dargebracht wird, das Opfer von Calvaria ist, das auf unseren Altären sakramental vergegenwärtigt wird. Wir glauben, dass in der Weise, wie Brot und Wein vom Herrn beim Letzten Abendmahl konsekriert und in Seinen Leib und Sein Blut verwandelt worden sind, die Er für uns am Kreuze geopfert hat, auch Brot und Wein, wenn sie vom Priester konsekriert werden, in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden, der glorreich in den Himmel aufgefahren ist. Und wir glauben, dass die geheimnisvolle Gegenwart des Herrn unter den äußeren Gestalten, die für unsere Sinne in derselben Weise wie vorher fortzubestehen scheinen, eine wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart ist. Christus kann in diesem Sakrament nicht anders gegenwärtig sein als durch Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in Seinen Leib und die Verwandlung der ganzen Substanz des Weines in Sein Blut. Dabei bleiben nur die Gestalten von Brot und Wein, wie sie unsere Sinne wahrnehmen, unverändert erhalten. Diese geheimnisvolle Verwandlung nennt die Kirche auf sehr treffende Weise Transsubstantiation (Wesensverwandlung).“

    Die heute herrschende Vorstellung, das Zweite Vatikanische Konzil habe die „alte Messe“ abgeschafft und eine „neue Messe“ geschaffen, die völlig neue theologische Vorstellungen über das Wesen der Messe beinhalte, kann leicht widerlegt werden. Dies wird an einem zentralen Satz aus der Dogmatischen Konstitution „Lumen gentium“ deutlich, bei der die Rolle des Priesters in der Eucharistiefeier skizziert wird: „Am meisten üben sie ihr heiliges Amt in der eucharistischen Feier oder Versammlung aus, wobei sie in der Person Christi handeln und sein Mysterium verkünden, die Gebete der Gläubigen mit dem Opfer ihres Hauptes vereinigen und das einzige Opfer des Neuen Bundes, das Opfer Christi nämlich, der sich ein für allemal dem Vater als unbefleckte Gabe dargebracht hat, im Messopfer bis zur Wiederkunft des Herrn vergegenwärtigen und zuwenden“ (LG 28). Damit ist das Wesentliche über den Priester und über die heilige Messe ausgesagt: die wichtigste Aufgabe des Priesters ist es, die heilige Messe zu feiern; nicht die Gemeinde, sondern der Priester handelt „in persona Christi“. Der Priester „vergegenwärtigt“ im Messopfer das Kreuzesopfer Christi, und er „wendet es zu“, das heißt er kann die sogenannten „Messopferfrüchte“ gemäß seiner Intention bestimmten Lebenden oder Verstorbenen zukommen lassen oder die Messe in bestimmten Anliegen feiern.

    Schon dieses kurze Zitat zeigt, dass die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils keinen Bruch zum katholischen Eucharistieverständnis darstellt. Wer also unter Berufung auf das Konzil ein anderes Messverständnis propagiert, bei der die Eucharistie ihres Opfercharakters entkleidet und zur bloßen Mahlfeier degradiert wird, übt Verrat am Zweiten Vatikanischen Konzil.

    Der selige Papst Johannes Paul II., der als Weihbischof in Krakau noch am Zweiten Vatikanischen Konzil mitgewirkt hatte, widmete der Eucharistielehre ebenfalls eine ganze Enzyklika: „Ecclesia in Eucharistia“, in der das Wesen der Eucharistie tief schürfend erklärt wird. Dabei kam der Papst nicht umhin, sich auch mit Fehlentwicklungen kritisch auseinanderzusetzen: „Leider müssen wir beklagen, dass es vor allem seit den Jahren der nachkonziliaren Liturgiereform infolge einer falsch verstandenen Auffassung von Kreativität und Anpassung an Missbräuchen nicht gefehlt hat, die für viele ein Grund des Leidens sind. Insbesondere in einigen Regionen hat eine gewisse Reaktion auf den ,Formalismus‘ manch einen dazu verleitet, die von der großen liturgischen Tradition der Kirche und die von ihrem Lehramt gewählten ,Formen‘ für nicht verpflichtend zu erachten und nicht autorisierte und oft völlig unpassende Neuerungen einzuführen. Ich sehe mich daher in der Pflicht, einen deutlichen Appell auszusprechen, dass in der Eucharistiefeier die liturgischen Normen mit großer Treue beachtet werden. Sie sind ein konkreter Ausdruck der authentischen Kirchlichkeit der Eucharistie; das ist ihr tiefster Sinn. Die Liturgie ist niemals Privatbesitz irgendjemands, weder des Zelebranten, noch der Gemeinschaft, in der die heiligen Geheimnisse gefeiert werden“ (EE 52). Viele weitere römische Dokumente aus dem langen Pontifikat des seligen Johannes Paul II. widmen sich ebenfalls der Ordnung der eucharistischen Liturgie.

    Reichtümer bewahren, die im Glauben gewachsen sind

    Im Pontifikat Benedikts XVI. stellt die Wiedereingliederung der klassischen Form der Messfeier als „außerordentlicher Form“ des Römischen Ritus ein signifikantes Merkmal dar. Der Papst hatte die Wiederzulassung der sogenannten „Tridentinischen Messe“, die man auch „Gregorianische Messe“ nennen könnte, wie folgt begründet: „In der Liturgiegeschichte gibt es Wachstum und Fortschritt, aber keinen Bruch. Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein. Es tut uns allen gut, die Reichtümer zu wahren, die im Glauben und Beten der Kirche gewachsen sind und ihnen ihren rechten Ort zu geben.“ Dies lässt sich auch auf die Eucharistielehre als Ganze und von der eucharistischen Frömmigkeit sagen. Hier sind wir eingeladen, all jene Schätze wieder zu entdecken, die uns das kirchliche Lehramt in Jahrhunderten seiner Lehrverkündigung aus Schrift und Überlieferung gehoben hat.

    Der Eucharistische Kongress, der im Juni in Köln gehalten wird, bietet uns einen Anlass, uns wieder erneut der katholischen Lehre über die Eucharistie zu vergewissern und die liturgische Praxis gemäß dieser Lehre auszurichten.