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    Rossini in Pesaro und Bad Wildbad

    Cesenatico, Rimini, Cattolica: In den fünfziger Jahren waren das klingende Namen in den Ohren der italiensüchtigen Deutschen. Endlich ins Ausland reisen, Sonne und Meer genießen und sich am bescheidenen Wohlstand erfreuen. Heute stehen die Ferienorte an der Adria eher für Massentourismus und überhöhte Preise. Aber es gibt zwischen Ravenna und Ancona nicht nur Dauersonne, Discos und Domizile aus Beton.

    Cesenatico, Rimini, Cattolica: In den fünfziger Jahren waren das klingende Namen in den Ohren der italiensüchtigen Deutschen. Endlich ins Ausland reisen, Sonne und Meer genießen und sich am bescheidenen Wohlstand erfreuen. Heute stehen die Ferienorte an der Adria eher für Massentourismus und überhöhte Preise. Aber es gibt zwischen Ravenna und Ancona nicht nur Dauersonne, Discos und Domizile aus Beton.

    Die hübsche, aber mit wenig spektakulären Sehenswürdigkeiten gesegnete Altstadt von Pesaro wird seit 32 Jahren im August von einem Festival aufgewertet, das dem großen Sohn der Stadt, Gioachino Rossini gewidmet ist. In der Via G. Rossini 34 ist sein bescheidenes Geburtshaus zu sehen. Der Bau aus dem 16. Jahrhundert beherbergt ein kleines Museum. Mit alten Drucken und Stichen erinnert es an den „Schwan von Pesaro“ und die Sängerinnen und Sänger, die mit seinen unsterblichen Melodien Karriere gemacht haben.

    Wobei das Beiwort „unsterblich“ nur für Rossinis „Barbier von Sevilla“ und für einige Bravourstücke wie die Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ gilt. Der Großteil seiner 37 Opern war ebenso vergessen wie seine ironischen „Alterssünden“, kleine Klavierstücke, geboren aus dem typischen, zwischen Augenzwinkern und ironischer Süffisanz pendelnden Rossini-Humor. Deutschland ist in dieser Hinsicht immer noch Entwicklungsland, obwohl es seit dreißig Jahren eine stets fortschreitende kritische Edition seiner Werke gibt und Theater in Ländern, die keine achtzig ständig spielenden Opernhäuser haben, sich dem Werk Rossinis viel bereitwilliger geöffnet haben.

    Aber es gibt seit 33 Jahren in Württemberg am nördlichen Ende des Schwarzwaldes ein Festival, das unermüdlich und mit lächerlich geringen Mitteln versucht, Augen und Ohren für Qualität und Modernität von Rossinis Opernschaffen zu öffnen: das Rossini-Festival in Bad Wildbad. Wichtige Werke wurden hier dem Archivschlaf entrissen, und Intendant Jochen Schönleber, einer der unermüdlichen Enthusiasten im Theaterbetrieb, richtet auch den Blick auf andere Komponisten der Rossini-Zeit. So in diesem Jahr auf „Die Räuber“ von Saverio Mercadante. Das Werk greift den Stoff des Schiller-Dramas auf und kleidet es in eine Tonsprache, dies bereits auf Giuseppe Verdi vorausweist – der zehn Jahre später, 1847, seine eigene „Räuber“-Version als „I Masnadieri“ uraufführen sollte. Die Mercadante-Oper von 1836 erklingt in Bad Wildbad erstmals seit der Uraufführung wieder!

    Die zweite Entdeckung dieses Sommers ist Rossinis „Adina“: Eine groß komponierte Farce, die zwischen Ironie und Komik, sentimentaler Rührung und wehmütiger Einsicht schwankt. Mit einer ausgesuchten Besetzung erklingt zudem konzertant Rossinis letztes italienisches Meisterwerk, „Semiramide“. Unter anderem singen Lawrence Brownlee (Metropolitan Opera New York) und Marianna Pizzolato, die kurze Zeit später bei den Salzburger Festspielen und im Teatro alla Scala in Mailand zu hören ist.

    Auch in Pesaro widmet sich das Rossini-Festival unbekannten Opern – obwohl es zuletzt von der Regierung Berlusconi mit existenzbedrohenden Kürzungen überzogen wurde. Ab 10. August lässt sich überprüfen, ob die vor 200 Jahren uraufgeführte biblische Oper „Ciro in Babilonia“ des gerade mal 20-Jährigen zu Recht als Misserfolg in die Geschichte eingegangen ist.

    Unterhaltsam geht es bei den beiden anderen szenischen Produktionen in Pesaro zu: „Mathilde di Shabran“ und die amüsante Kurzoper „Il Signor Bruschino“ versprechen hintersinnige Heiterkeit. Beide sind auf deutschen Bühnen so gut wie nie zu sehen. Mit einer konzertanten Aufführung von Rossinis erstem internationalen Erfolg, „Tancredi“ unter dem Belcanto-Experten Alberto Zedda, endet das Festival am 23. August.

    Wer nach Pesaro reist, ist nicht alleine auf die Musik verwiesen: Rossini hat die Trüffel, die in den Bergen um seine Heimat wachsen, sehr geschätzt – und auch heute finden sich eine Reihe erstklassiger Restaurants, die mit dem edlen Pilz bodenständige Gerichte verfeinern. Ganz so, wie es der passionierte Hobbykoch Rossini wohl auch getan hätte.

    Info:

    www.rossinioperafestival.it

    www.rossini-in-wildbad.de