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    Gefährliches Gelände

    Beim Thema Mission scheiden sich zwischen Christen und Muslimen die Geister. Während islamische Mission in christlich geprägten Ländern meist völlig legal ist, steht christliche Mission in weiten Teilen der islamischen Welt unter Strafe. Nach den Worten des Koran wiegt das Vergehen, muslimische Gläubige zum Abfall vom Islam zu bewegen, „schwerer als Töten“. Der Abtrünnige wiederum verdient gemäß einem weiteren Koranvers als Sünder gegen Gott die Hinrichtung. In streng muslimischen Gesellschaften besteht diese Vorschrift nach wie vor fort. So wie im Jemen, wo unlängst der Mord an zwei mutmaßlichen evangelikalen Missionarinnen aus Deutschland sowie einer Südkoreanerin ein grelles Licht auf die Gefahren christlicher Betätigung in einer streng muslimischen Umwelt geworfen hat.

    Beim Thema Mission scheiden sich zwischen Christen und Muslimen die Geister. Während islamische Mission in christlich geprägten Ländern meist völlig legal ist, steht christliche Mission in weiten Teilen der islamischen Welt unter Strafe. Nach den Worten des Koran wiegt das Vergehen, muslimische Gläubige zum Abfall vom Islam zu bewegen, „schwerer als Töten“. Der Abtrünnige wiederum verdient gemäß einem weiteren Koranvers als Sünder gegen Gott die Hinrichtung. In streng muslimischen Gesellschaften besteht diese Vorschrift nach wie vor fort. So wie im Jemen, wo unlängst der Mord an zwei mutmaßlichen evangelikalen Missionarinnen aus Deutschland sowie einer Südkoreanerin ein grelles Licht auf die Gefahren christlicher Betätigung in einer streng muslimischen Umwelt geworfen hat.

    Aber selbst in Staaten wie Syrien, Jordanien, Irak oder der Türkei, die Mission und Apostasie nicht unter Strafe stellen, sei offenes Missionieren faktisch unmöglich, sagt der Islamreferent des kirchlichen Hilfswerks „missio“ in Aachen, Otmar Oehring. Staatliche Schikanen und der soziokulturelle Druck der Mehrheitsgesellschaft gegen Missionare und Konvertiten seien einfach zu groß. Das zeigten auch Vorfälle wie Morde an Priestern und Bibelverlegern in der Türkei, wo militante nationalistische Kräfte christliche Präsenz vor allem als eine politische Gefahr verstehen.

    Obwohl der Vatikan in einer lehrmäßigen Note vom Dezember 2007 den universalen Anspruch auf freie Mission – ohne Ausübung von Zwang, aber auch ohne Einschränkung – bekräftigte, hält sich die katholische Kirche mit eigener Missionstätigkeit im islamischen Raum seit langem zurück.

    Schließlich hänge davon nicht nur die körperliche Unversehrtheit aller Beteiligten ab, so Oehring, sondern auch die kirchliche Position im Orient schlechthin. Der katholische Bischof in Arabien mit Sitz in Abu Dhabi, Paul Hinder, warnte im vergangenen Jahr sogar offen davor, Muslime in die katholische Kirche aufzunehmen, um ihnen soziale Ächtung und beruflichen Abstieg zu ersparen.

    Entsprechend gering sind die Übertritts-Zahlen. Oehring schätzt, dass selbst in der vergleichsweise liberalen Türkei weniger als zehn Muslime pro Jahr Katholiken werden. In den meisten islamischen Ländern konzentriert sich der christliche Einfluss ohnehin eher auf das Bildungswesen sowie die Kranken- und Behindertenpflege. Hier sind katholischerseits eine Reihe von Orden aktiv.

    „,Wir wollen durch unser Vorbild ein Zeugnis unseres Glaubens und der Solidarität mit den Menschen geben.' Dafür ernte man von Muslimen viel Respekt“

    Weiße Väter, Dominikaner und Jesuiten, Maristen und Steyler Missionare werden in der Regel intensiv auf die Bedingungen in den Gastländern vorbereitet. Dabei gehe es nicht um Mission durch die Hintertür, betont Pater Hans Vöcking, der als Weißer Vater lange in Algerien arbeitete.

    „Wir wollen durch unser Vorbild ein Zeugnis unseres Glaubens und der Solidarität mit den Menschen geben.“ Dafür ernte man von Muslimen viel Respekt.

    Auch das Evangelische Missionswerk in Deutschland setzt lieber auf Entwicklungshilfe, statt offensiv den eigenen Glauben zu verkünden. Zudem wird es nach eigenen Angaben nur dort tätig, wo bereits einheimische Partnerkirchen existieren. Doch selbst in rein islamischen Gebieten müsse „offenes Missionieren“ im Sinne der Religionsfreiheit prinzipiell möglich sein, so der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland, Martin Schindehütte. Das aggressive Vorgehen vieler evangelikaler Gruppen, die häufig die religiös-kulturellen Gegebenheiten ignorieren würden, lehnt er allerdings ab.

    „Natürlich gebe es

    auch naive und

    leichtsinnige Evangelikale. ,Die kommen

    im Urlaub mit der Gitarre in der Hand und gehen direkt auf die Leute zu'“

    „Wenn derzeit überhaupt Muslime konvertieren, dann zu den Freikirchen“, verteidigt der evangelikale Leiter des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Thomas Schirrmacher, deren Missionsarbeit. Er verweist auf zahlreiche Glaubensübertritte in der Türkei. Auch für die meisten Evangelikalen stehe im übrigen karitative Arbeit im Vordergrund, wie bei den beiden deutschen Bibelschülerinnen, die als Krankenpflegerinnen in den Jemen gekommen waren. Natürlich gebe es auch naive und leichtsinnige Evangelikale. „Die kommen im Urlaub mit der Gitarre in der Hand und gehen direkt auf die Leute zu“, räumt Schirrmacher ein.

    In Deutschland hat sich vor allem die evangelikale Karmelmission der Arbeit in der islamischen Welt verschrieben. Angeb-lich ist sie in 20 Ländern mit 200 meist konvertierten Mitarbeitern präsent und erreicht nach eigenem Bekunden selbst Interessierte unter pakistanischen Taliban und libanesischen Hisbollah-Kämpfern. Die Organisation zeichnet sich durch einen wenig transparenten Auftritt aus – was auch mit der akuten Gefährdung durch das eigene Wirken zu tun haben mag. Karmel-Missionsleiter Martin Landmesser legte jüngst in einem Pressetext zur 105-Jahrfeier jedenfalls Wert darauf, dass keine Abbildung von ihm veröffentlicht wird – „erst recht nicht im Internet“.

    Von Christoph Schmidt