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    Einkehr im Schatten barocker Pracht

    Hoch erhaben über der niederösterreichischen Ebene thront die Wallfahrtsbasilika auf dem Sonntagberg. Alles hat hier seine Geschichte: Ab 1440 errichteten die Benediktiner aus Seitenstätten hier eine Kapelle, ein halbes Jahrhundert später eine spätgotische Kirche, die letztlich einer prachtvollen Barockkirche wich. Bereits im 15. Jahrhundert blühte die Wallfahrt auf den Sonntagberg, doch geistliche Blühte ruft stets auch Widerstände auf den Plan: Sie kamen in der Reformationszeit von lokalen Potentaten, später durch die Türkenbelagerung. An die Polemiken der Protestanten, die „Papisten“ würden hier einen Stein anbeten, erinnert noch der geschichtsträchtige „Zeichenstein“, Relikt einer vorchristlichen Kultstätte, in einer Seitenkapelle der Kirche. An die Türkenbelagerung erinnert eine „Türkenkapelle“ nahe der Basilika: 1529 sollen türkische Reiter genaht sein, um die Kirche zu plündern, doch seien ihre Pferde – so berichtet die Legende – bei einer Quelle in die Knie gegangen. An diesen „Türkenbrunnen“ erinnert diese Kapelle.

    Geistliches Zentrum für Gläubige aller Generationen. Foto: Kathbild/Rupprecht

    Hoch erhaben über der niederösterreichischen Ebene thront die Wallfahrtsbasilika auf dem Sonntagberg. Alles hat hier seine Geschichte: Ab 1440 errichteten die Benediktiner aus Seitenstätten hier eine Kapelle, ein halbes Jahrhundert später eine spätgotische Kirche, die letztlich einer prachtvollen Barockkirche wich. Bereits im 15. Jahrhundert blühte die Wallfahrt auf den Sonntagberg, doch geistliche Blühte ruft stets auch Widerstände auf den Plan: Sie kamen in der Reformationszeit von lokalen Potentaten, später durch die Türkenbelagerung. An die Polemiken der Protestanten, die „Papisten“ würden hier einen Stein anbeten, erinnert noch der geschichtsträchtige „Zeichenstein“, Relikt einer vorchristlichen Kultstätte, in einer Seitenkapelle der Kirche. An die Türkenbelagerung erinnert eine „Türkenkapelle“ nahe der Basilika: 1529 sollen türkische Reiter genaht sein, um die Kirche zu plündern, doch seien ihre Pferde – so berichtet die Legende – bei einer Quelle in die Knie gegangen. An diesen „Türkenbrunnen“ erinnert diese Kapelle.

    Die barocke Pracht der Basilika selbst – 1706 von Josef Munggenast begonnen und 1729 vom berühmten Jakob Prandtauer vollendet – aber erinnert an den Triumph des Glaubens, ja an die Mitte der Herrlichkeit Gottes, denn die Basilika auf dem Sonntagberg ist dem zentralen Geheimnis des christlichen Glaubens gewidmet: der Heiligsten Dreifaltigkeit. 1651 wurde in Wien eine Dreifaltigkeitsbruderschaft gegründet, deren Mitglieder alljährlich auf den Sonntagberg pilgerten. Auf sie geht auch die viel bekanntere Dreifaltigkeitssäule am Wiener Graben zurück, die Kaiser Leopold I. erstellen ließ.

    Seine Geschichte hat aber auch das große Haus neben der Basilika: Bereits im 13. Jahrhundert ist hier ein Bergbauernhof urkundlich erwähnt. Daraus wurde später das Gasthaus „Auf der Kaltenöd“. In Ersten Weltkrieg diente das Haus am Sonntagberg der Unterbringung russischer Kriegsgefangener, nach dem Zweiten Weltkrieg als Unterkunft für Heimatvertriebene. Dazwischen gab einer der Pioniere der anti-autoritären Erziehung, der schottische Pädagoge Alexander Sutherland Neill, ein kurzes Gastspiel auf dem Sonntagberg. Seine pädagogisch reichlich abenteuerliche Schulgründung scheiterte in Niederösterreich allerdings nicht nur an der Schulbehörde, sondern auch am Widerstand der Bevölkerung.

    Ab 1993 mühte sich der Wiener Joseph Doblhoff, die Wallfahrt auf den Sonntagberg zu beleben und aus einer Ruine eine gastfreundliche, modern geführte Pilgerherberge als „Zuflucht in seelischer Not“ zu schaffen. All dies an einem Ort, „der dem Herzen die Größe Gottes im Blick auf die Schöpfung eröffnet“, wie Doblhoff einmal gegenüber dieser Zeitung formulierte. Bei der Restaurierung und Revitalisierung des Hauses ging es ihm um einen Dienst am leiblichen, mehr aber noch am seelischen Wohl des Menschen. Das „Haus am Sonntagberg“ wuchs zu einem Seminar- und Exerzitienhaus mit breiter, aber durchgehend klar katholischer Prägung heran: mit Bibelwochen und Exerzitien, Hagiotherapie und theologischen Seminaren, Musikwochen und Ikonenmalkursen.

    Heute ist auf dem Sonntagberg das einzige „Foyer de Charité“ Österreichs beheimatet. Dessen besondere Sendung besteht in Schweigeexerzitien mit Gebet und geistlichen Vorträgen. Gegründet wurde das „Foyer des Lichtes, der Nächstenliebe und der Gottesliebe“ 1936 durch die stigmatisierte französische Mystikerin Marthe Robin (1902 bis 1981), die 50 Jahre ihres Lebens gelähmt war und sich in ihrem Leid mit der Passion des Herrn vereinte, und den Priester Georges Finet.

    Familiärer Rahmen und ein Klima des Schweigens

    Hier leben Verheiratete und Unverheiratete, Priester und Laien, unter der Leitung eines „Foyervaters“ als geistliche Gemeinschaft nach dem Beispiel der ersten Christen in der Urkirche, indem sie ihre materiellen, geistigen und geistlichen Güter miteinander teilen. Im Zentrum ihres geistlichen Lebens stehen das Gebet und die Eucharistie. Weltweit gibt es etwa 80 „Foyers de Charité“. Das „Foyer“ am Sonntagberg eröffnete Bischof Klaus Küng im Juni 2009 unter der Leitung von Pater Ernst Leopold Strachwitz, einem recht bekannten Wiener Priester, der schon Banker in Brüssel und Theaterschauspieler in Deutschland gewesen war, bevor er 1994 schließlich zum Priester geweiht wurde.

    Die vornehmliche Sendung des „Foyers de Charité“ besteht in geistlichen Exerzitien als Unterweisung im familiären Rahmen und in einem Klima des Schweigens – als Angebot für alle, ob gläubig oder ungläubig, verheiratet oder ledig. Ziel dieser Exerzitien ist es nach den Worten von Pere Finet, „die Vaterschaft Gottes wieder zu entdecken“. Die Exerzitien, Einkehrtage und Einkehrwochenenden kreisen nicht um Randaspekte, sondern um das Zentrum des christlichen Glaubens.

    Das detaillierte Programm ebenso wie Kontaktdaten und praktische Hinweise sind im Internet unter www.foyersonntagberg.at zu finden.