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    Ein Garten Eden für den kreativen Musiker

    Für den Maestro war es ein Eden, ein Ort der Ruhe, der Einsamkeit, aber auch des intensiven Arbeitens. Als Giacomo Puccini 1891 den winzigen Weiler am sumpfigen Ufer des Massaciuccoli-Sees für sich entdeckte, verliebte er sich in den Ort Torre del Lago: Zwölf Häuser, 120 Bewohner, Fischer und Bauern, die seine Jagdleidenschaft teilten, und eine kleine Gruppe Maler, mit denen er den „Club Boheme“ in einer schilfgedeckten Holzhütte gründete. Das Elysium inspirierte den Komponisten zu konzentriertem, meist nächtlichem Arbeiten. Hier entstanden, von „Manon Lescaut“ bis „Il Trittico“, der größte Teil seiner Opern.

    Für den Maestro war es ein Eden, ein Ort der Ruhe, der Einsamkeit, aber auch des intensiven Arbeitens. Als Giacomo Puccini 1891 den winzigen Weiler am sumpfigen Ufer des Massaciuccoli-Sees für sich entdeckte, verliebte er sich in den Ort Torre del Lago: Zwölf Häuser, 120 Bewohner, Fischer und Bauern, die seine Jagdleidenschaft teilten, und eine kleine Gruppe Maler, mit denen er den „Club Boheme“ in einer schilfgedeckten Holzhütte gründete. Das Elysium inspirierte den Komponisten zu konzentriertem, meist nächtlichem Arbeiten. Hier entstanden, von „Manon Lescaut“ bis „Il Trittico“, der größte Teil seiner Opern.

    Heute ist in Torre del Lago Schluss mit der Abgeschiedenheit. Villen und Ferienhäuser staffeln sich Reihe an Reihe weit ins Hinterland. Am Seeufer öffnet sich ein Platz mit der Statue des Ehrenbürgers. Tausende besuchen jährlich die Villa, die sich Puccini bauen ließ. In dem Refugium lebte er, bis ihn 1921 der Bau eines Torfkraftwerks mit seiner Umweltverschmutzung vertrieb.

    Heute ist auch das Geschichte; die Reste der alten Industriebauten werden kulturell genutzt. Die Landschaft jedoch, sofern noch nicht zersiedelt, steht unter Schutz: 23 000 Hektar groß ist der Naturpark von Massaciuccoli – San Rossore zwischen dem See und dem Tyrrhenischen Meer. Dort kann man sie noch erleben, die von Puccini bewunderten Sonnenuntergänge hinter ausgedehnten Pinienwäldern. In diesem Jahr dürfte der Ansturm besonders groß werden. Im Dezember wird Puccinis 150. Geburtstag begangen: Grund für viele, die Region um Viareggio zu besuchen. In Lucca, dem Geburtsort Puccinis, erinnert ab 14. Juni eine Ausstellung im Palazzo Guinigi an seine Wurzeln in der Region. In den apuanischen Alpen, oberhalb von Viareggio, liegt Celle di Puccini. Das Museum des winzigen Bergdorfs, aus dem die Puccinis stammen, zeigt ab 21. Juni eine Ausstellung über die verzweigte Musikerfamilie, deren erster der 1712 in Lucca geborene Giacomo Puccini der Ältere gewesen ist.

    Doch einen Komponisten ohne Musik zu feiern wäre wie Wein zu studieren, ohne ihn zu probieren. Torre del Lago ist seit 1966 Ort eines Festivals, bei dem ausschließlich Opern Puccinis gezeigt werden. Die Idee dazu wird gerne auf den Komponisten selbst zurückgeführt, doch dafür gibt es keine Quellen.

    Schon sechs Jahre nach dem Tod Puccinis initiierte der Journalist Giovacchino Forzano, Librettist von „Gianni Schicchi“ und „Suor Angelica“, eine Sommeraufführung von „La Boheme“. Auf einer Seebühne auf Pfählen sang damals die Primadonna Rosetta Pampanini. Pietro Mascagni dirigierte, das Publikum saß auf Holzbänken vor der sechzehn Meter breiten Bühne.

    Doch der „Thespiskarren“ hatte keinen Nachfolger. Erst 1952 war man wieder in der Lage, ein Gedenkkonzert zu veranstalten. 1958, zum 100. Geburtstag Puccinis, gab es wieder Oper. Mit dem Ensemble des Teatro Massimo aus Palermo traten berühmte Sänger wie Antonietta Stella und Giuseppe di Stefano auf. Längst ist das Festival in Torre del Lago seinen bescheidenen Anfängen entwachsen. Am 15. Juni 2008 wird mit einem Konzert des Orchesters der Scala unter Riccardo Chailly ein neues Freilichttheater am Seeufer eingeweiht, das die alte Bühne aus den sechziger Jahren ablöst. 3 200 Plätze warten auf die „Appassionati“ der Oper. Auch der neue Halbrund öffnet sich zum See; er liegt in einem über vierzigtausend Quadratmeter großen Park. Ein Freilicht-Foyer und ein Fünfhundert-Plätze-Auditorium ergänzen das Amphitheater. Ausgestattet ist es mit der neuesten Bühnen- und Lichttechnik für die dreiunddreißig Meter breite und zwanzig Meter tiefe Bühne.

    Das 54. Festival Puccini beginnt am 11. Juli mit einer Aufführung von „Turandot“ mit Francesca Patané in der Titelrolle der eisigen Prinzessin. Maurizio Scaparro führt Regie, der international anerkannte italienische Bühnenbildner Ezio Frigerio schuf die Szene. Am Samstag, 12. August, folgt „Tosca“. Daniela Dessí verkörpert die Primadonna, der von dem teuflischen Polizeichef Scarpia (Giorgio Surian) das Geheimnis um den entkommenen Sträfling im Garten der Villa ihres Geliebten Mario Cavaradossi (Fabio Armiliato) abgepresst wird.

    „Madama Butterfly“ in einer ausgezeichneten Regie von Stefano Vizioli komplettiert den Reigen der populären Puccini-Opern ab 20. Juli. Nur zweimal, am 9. und 16. August, steht „Edgar“ auf dem Programm. Das bezaubernde Frühwerk Puccinis aus dem Jahr 1889 erzählt die dramatische Geschichte eines jungen Mannes zwischen zwei Frauen, der mysteriösen Zigeunerin Tigrana und dem hübschen Landmädchen Fidelia – mit tragischem Ausgang. Cristina Gallardo-Domas und Rosanna Rinaldi kämpfen um Marco Berti als Edgar, Pier Giorgio Morandi steht am Pult. Am 6. Juli dirigiert Yuri Temirkanov das Orchester des Moskauer Bolschoi-Theaters in einem Gedenkkonzert zu Ehren Puccinis.

    Im Herbst geht das Gedenken an Puccini weiter in seiner Geburtsstadt Lucca. Das Teatro del Giglio zeigt am 19. und 21. September „La Rondine“ und am 21., 22. und 23. November „Manon Lescaut“ in einer Inszenierung des früheren Salzburger Intendanten Lutz Hochstraate. Auch im Herbst lohnt es sich also, das noch von seiner Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert umgebene Städtchen unweit von Florenz zu besuchen, das sich seit 1369 seine Unabhängigkeit bewahrt hat und erst 1847 zur Toskana geschlagen wurde.

    VON WERNER HÄUSSNER