• aktualisiert:

    Ablass zum jahr des Glaubens: Dekret „Urbis et Orbis“

    Anlässlich des vom Heiligen Vater ausgerufenen „Jahr des Glaubens“, das uns einlädt, die ganze Fülle und den Reichtum des christlichen Glaubens wieder zu entdecken, wurde schon oft auf das Credo verwiesen – das Wesentliche, die Essenz dessen, was wir Christen bekennen. Eine Zeile lautet „Ich glaube ... an die Vergebung der Sünden.“ Die katholische Kirche hat ein eigenes Sakrament dafür – das Bußsakrament, auch Beichte genannt. Man könnte es auch das verloren gegangene, das scheinbar vergessene Sakrament nennen; zumindest im Alltag einer ganz normalen deutschen Gemeinde. Wenn überhaupt noch ein Pfarrer oder Kaplan am Samstag vor der Messe im Beichtstuhl bereit sitzt, um den Gläubigen eine Möglichkeit zur vorhergehenden Beichte zu bieten, dann sitzt er dort oft sehr einsam. Mancherorts gibt es deshalb diese Möglichkeit nur noch auf telefonische Anfrage mit Terminvereinbarung. Leider scheint das für viele Gläubige eher noch eine zusätzlich zu überwindende Hürde zu sein. Hinzu kommt, vermutlich als Folge fehlender Katechese, dass an vielen Orten die Bußandachten eine Rolle eingenommen haben, die eigentlich das Bußsakrament innehaben müsste. Und manchmal ist es auch einfach so, dass allzu wohlmeinende Priester das Wort „Sünde“ in jedem möglichen Zusammenhang lieber meiden.

    Im Beichtstuhl das Schiff des eigenen Lebens wieder auf Kurs bringen: Die Weltjugendtage – Bild: eine Aufnahme aus Madri... Foto: KNA

    Anlässlich des vom Heiligen Vater ausgerufenen „Jahr des Glaubens“, das uns einlädt, die ganze Fülle und den Reichtum des christlichen Glaubens wieder zu entdecken, wurde schon oft auf das Credo verwiesen – das Wesentliche, die Essenz dessen, was wir Christen bekennen. Eine Zeile lautet „Ich glaube ... an die Vergebung der Sünden.“ Die katholische Kirche hat ein eigenes Sakrament dafür – das Bußsakrament, auch Beichte genannt. Man könnte es auch das verloren gegangene, das scheinbar vergessene Sakrament nennen; zumindest im Alltag einer ganz normalen deutschen Gemeinde. Wenn überhaupt noch ein Pfarrer oder Kaplan am Samstag vor der Messe im Beichtstuhl bereit sitzt, um den Gläubigen eine Möglichkeit zur vorhergehenden Beichte zu bieten, dann sitzt er dort oft sehr einsam. Mancherorts gibt es deshalb diese Möglichkeit nur noch auf telefonische Anfrage mit Terminvereinbarung. Leider scheint das für viele Gläubige eher noch eine zusätzlich zu überwindende Hürde zu sein. Hinzu kommt, vermutlich als Folge fehlender Katechese, dass an vielen Orten die Bußandachten eine Rolle eingenommen haben, die eigentlich das Bußsakrament innehaben müsste. Und manchmal ist es auch einfach so, dass allzu wohlmeinende Priester das Wort „Sünde“ in jedem möglichen Zusammenhang lieber meiden.

    „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ (1 Joh 1, 8–9)

    Es scheint vielerorts eher trist mit diesem wunderbaren, bereichernden Sakrament zu stehen, dessen besonderer Wert immer wieder auch von der Kirche fernstehenden Psychiatern und Psychologen betont wird.

    Dabei gibt es gleichzeitig eine interessante Entwicklung: Während das Bußsakrament im Alltag vieler Gemeinden kaum noch eine Rolle spielt, müssen während Veranstaltungen wie „Nightfever“ – das ist eine offene Gebetsnacht vor dem ausgesetzten Allerheiligsten mit Kerzenlicht und Lobpreis –, die einen Priester wahren Beicht-Marathon absolvieren. Ebenso sieht es in größerem Rahmen bei den Weltjugendtagen aus.

    Es steckt eben eine tiefe Sehnsucht im Menschen nach Vergebung, nach Entstrickung aus Schuld, nach Heilung dessen, was durch Gedanken, Worte und Taten kaputt ging oder befleckt wurde; danach, einen Neuanfang wagen zu dürfen und diesen mit einem sichtbaren Zeichen von Gottes Gnade – also einem Sakrament – zu bekräftigen. In der Beichte spricht der Priester, sofern echte Reue beim Beichtenden zu erkennen ist, die Absolution aus. Damit sind die zuvor mündlich bekannten Sünden vergeben und die versöhnte Gemeinschaft mit Gott und der ganzen kirchlichen Gemeinschaft wieder hergestellt. Was jedoch noch nicht getilgt ist, sind die „zeitlichen Sündenstrafen“ für die begangene Verfehlung. Für diese „Wiedergutmachung“ war in früheren Zeiten eine oft langjährig verhängte Bußpraxis üblich. Heute dürfen wir für diese Wiedergutmachung mithilfe des leider oft missverstandenen Ablasses aus dem reichen Gnadenschatz der Kirche schöpfen.

    Das lateinische Wort für Ablass lässt uns das Wesen dieses Gnadenmittels besser verstehen: indulgentia bedeutet Nachsicht, Güte und Milde. Wer sich einmal eingehender mit dem Ablasswesen der römisch-katholischen Kirche beschäftigt hat, das von Papst Paul VI. mittels einer Apostolischen Konstitution neu geordnet wurde, kann über Slogans und Pauschalurteile, dass die Kirche statt Frohbotschaft eine Drohbotschaft verkünde, nur noch den Kopf schütteln. Ein im normalen Rahmen praktizierender Katholik, der regelmäßig zur Heiligen Messe geht und beichtet, für den Papst betet und zum Beispiel „in seiner Pflichterfüllung und den Mühen seines Lebens mit demütigem Vertrauen seine Seele zu Gott erhebt und dabei wenigstens innerlich ein Stoßgebet spricht“, der hat schon einen Teilablass erlangt.

    Paul VI. schrieb zur Neuregelung des Ablasswesens: „... um sie (die Gläubigen) zu Werken der Frömmigkeit, Buße und Liebe anzuspornen, besonders zu solchen, die zum Wachsen im Glauben und im Allgemeinwohl beitragen.“ Darum geht es also.

    Wer einmal im Handbuch für Ablässe nachliest, wie leicht es doch ist, Werke der Liebe und Güte zum Seelenheil vor allem für die Verstorbenen zu üben – besonders für solche, an die sonst niemand mehr denkt – versteht immer weniger, wieso in der modernen Pastoral, die „Solidarität“ und „Barmherzigkeit“ in Versalien schreibt, so wenig an die Verstorbenen gedacht wird. Das Evangelium verkündet schließlich zentral die Auferstehung und das ewige Leben.

    Damit wir nun also die ganze Fülle und Gnadengaben unseres Glaubens, wie es der Wunsch des Heiligen Vaters ist, in diesem besonderen Jahr wieder neu ausschöpfen und tiefer erleben dürfen, gibt es auch einen speziellen Ablass innerhalb dieses Zeitraumes. Zwar gibt es eine, allerdings sehr schwer aufzufindende, deutsche Übersetzung auf den offiziellen Seiten des Heiligen Stuhls (www.vatican.va), auf der vatikanischen Internetseite „Jahr des Glaubens“ (www.annusfidei.va) fehlt sie jedoch. Die üblichen Bedingungen zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses sind die Verrichtung des mit dem Ablass versehenen Werkes, (siehe a) bis d) im untenstehenden Kasten) und die Erfüllung folgender Bedingungen erforderlich: sakramentale Beichte, eucharistische Kommunion und Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters, meist das Vaterunser oder das Ave Maria. Darüber hinaus sollen die Gläubigen entschlossen zur Abkehr von jeder Sünde sein. Einen Versuch ist das im „Jahr des Glaubens allemal wert.“

    Um das Geschenk besonderer heiliger Ablässe während des „Jahres des Glaubens“ zu erlangen, sind besondere Frömmigkeitsübungen zu vollbringen.

    Am fünfzigsten Jahrestag der feierlichen Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, dem der selige Johannes XXIII. „als Hauptaufgabe übertrug, ein authentisches und aufrichtiges Bekenntnis ein und desselben Glaubens zu geben“ (Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Fidei Depositum, 11. Okt. 1992: AAS 86 [1994] 113), hat Papst Benedikt XVI. den Beginn eines Jahres festgelegt, das in besonderer Weise dem Bekenntnis des wahren Glaubens und seiner richtigen Auslegung durch das Lesen oder, noch besser, durch frommes Meditieren der Konzilsdokumente und der Artikel des Katechismus der Katholischen Kirche gewidmet sein soll, der vom seligen Johannes Paul II. dreißig Jahre nach Konzilsbeginn mit der klaren Absicht herausgegeben worden war, „die Gläubigen anzuleiten, sich besser an ihn zu halten und seine Kenntnis und Anwendung zu fördern“ (ebd., 114).

    „Während des ganzen ,Jahres des Glaubens‘, das für die Zeit vom 11. Oktober 2012 bis 24. November 2013 festgelegt wird, können alle einzelnen Gläubigen, wenn sie ihre Sünden wirklich bereut, gebührend gebeichtet, das Sakrament der Kommunion empfangen haben und nach Meinung des Heiligen Vaters beten, den vollkommenen Ablass von der zeitlichen Strafe für ihre Sünden erlangen, der auch den Seelen der verstorbenen Gläubigen zugedacht werden kann:

    a) jedesmal, wenn sie in einer beliebigen Kirche oder an einem anderen geeigneten Ort an wenigstens drei Predigten während der geistlichen Missionen oder an wenigstens drei Vorträgen über die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils und über die Artikel des Katechismus der Katholischen Kirche teilnehmen;

    b) jedesmal, wenn sie als Pilger eine Päpstliche Basilika, eine christliche Katakombe, eine Kathedrale, einen vom Ortsbischof für das ,Jahr des Glaubens‘ bestimmten heiligen Ort besuchen (darunter zum Beispiel die sogenannten Basilicae minores und die der seligen Jungfrau Maria, den heiligen Aposteln und den heiligen Schutzpatronen geweihten Heiligtümer) und dort an einem Gottesdienst teilnehmen oder zumindest für eine bestimmte Zeit der Sammlung mit frommen Meditationen innehalten, das Beten des Vaterunser, des Glaubensbekenntnisses in einer zugelassenen Form, die Anrufungen an die selige Jungfrau Maria und gegebenenfalls der heiligen Apostel oder Schutzpatrone;

    c) jedesmal wenn sie an den vom Ortsbischof für das ,Jahr des Glaubens‘ festgelegten Tagen (zum Beispiel an den Herrenfesten, an den Festen der Jungfrau Maria, an den Festen der Heiligen Apostel und Schutzpatrone, am Fest Petri Stuhlfeier) an jedem geheiligten Ort an einer Eucharistiefeier oder an einem Stundengebet teilnehmen und das Glaubensbekenntnis in einer zugelassenen Form anfügen;

    d) an einem während des ,Jahres des Glaubens‘ frei gewählten Tag für den frommen Besuch der Taufkapelle oder eines anderen Ortes, an dem sie das Taufsakrament empfangen haben, wenn sie die Taufversprechen mit einer zugelassenen Formel erneuern. Die Diözesanbischöfe oder Eparchen und jene, die ihnen rechtlich gleichgestellt sind, werden an dem dafür am besten geeigneten Tag anlässlich der Hauptfeier (zum Beispiel am 24. November 2013), dem Tag des Christkönigsfestes, mit dem das ,Jahr des Glaubens‘ abgeschlossen werden wird, den Päpstlichen Segen erteilen können, zusammen mit dem vollkommenen Ablass, der für alle Gläubigen erreichbar ist, die diesen Segen andächtig empfangen.

    Die wirklich reumütigen Gläubigen, die aber aus schwerwiegenden Gründen nicht an den feierlichen Gottesdiensten teilnehmen können (wie vor allem die in den Klöstern in ständiger Klausur lebenden Nonnen, die Anachoreten und die Eremiten, die Alten, Kranken sowie auch diejenigen, die in Spitälern oder anderen Pflegestätten ständig Dienst für die Betreuung der Kranken leisten), werden den vollen Ablass zu denselben Bedingungen erhalten, wenn sie, vereint durch den Geist und den Gedanken an die anwesenden Gläubigen, besonders in den Augenblicken, in denen die Worte des Papstes oder der Diözesanbischöfe über Fernsehen und Radio übertragen werden, in ihrem Haus oder dort, wo die Behinderung sie festhält (zum Beispiel in der Kapelle des Klosters, des Krankenhauses, des Pflegeheimes, des Gefängnisses), das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis in jeder zulässigen Form und andere den Zielsetzungen des ,Jahres des Glaubens‘ entsprechende Gebete sprechen und auf diese Weise ihre Leiden oder das Ungemach ihres Lebens aufopfern.“

    www.vatican.va/roman_curia/tribunals/apost_penit/documents/rc_trib_appen_doc_20120914_annus-fidei_ge.html